Adidas lässt offenbar Arbeiter in seinem Logistikzentrum in Rieste, Niedersachsen, ausbeuten. Das berichtet DIE ZEIT in ihrer aktuellen Ausgabe. Es geht unter anderem um nicht erfasste und nicht bezahlte Überstunden, unklare Arbeitszeiten, monatelange Urlaubssperren und Nachtschichten. Betroffen sind Arbeiter, die adidas von den Personaldienstleistern Manpower und Olympia entleiht. Einige Arbeiter wehren sich jetzt gegen die Ausbeutung. Vier von ihnen nennen in der ZEIT ihren Namen und zeigen ihr Gesicht – und fordern den Konzern auf, etwas zu verändern.

Der ZEIT liegen Informationen und Unterlagen vor, aus denen hervorgeht, wie der Konzern die Arbeiter behandeln lässt. Offenbar wird zahlreichen Arbeitern ohne Angaben von Gründen gekündigt. Auch die Gewerkschaft IG BCE spricht von einer "hohen Fluktuation". Adidas sagt, es handele sich um Einzelfälle.

Weiterhin können sich die Arbeiter nicht auf vorhandene Dienstpläne verlassen, sondern müssen ihre Supervisor oft persönlich oder am Telefon fragen, ob sie wirklich arbeiten dürfen. Manchmal werden sie sofort oder nach einigen Stunden wieder nach Hause geschickt. Außerdem gibt es Bereitschaftsdienste, die jedoch nicht entlohnt werden. Adidas bestreitet, dass es einen Bereitschaftsdienst gibt.

Weiter beklagen die Arbeiter, dass Überstunden nicht erfasst und nicht ausbezahlt werden. Es gibt eine monatelange Urlaubssperre und Nachtschichten, von denen die Arbeiter total erschöpft sind. Arbeiter müssen im Umkreis von 12 Kilometern zum Zentrum wohnen, einige müssen dafür umziehen. Andere Arbeiter werden in Mehrbettzimmern untergebracht. Zumindest ein Arbeiter wurde körperlich eingeschüchtert.

Adidas, mit den einzelnen Vorwürfen konfrontiert, bestreitet die Vorfälle. Der Konzern antwortet in jedem Fall auch für die Personaldienstleister Olympia und Manpower, welche die Arbeiter beschäftigt haben.

Das Logistikzentrum versorgt den Groß- und Einzelhandel in Zentral- und Westeuropa mit den Marken adidas und Reebok. Adidas ist der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt. Das Unternehmen beschäftigt 54.000 Mitarbeiter und wies zuletzt einen Umsatz von 14,5 Milliarden Euro aus.