Der Internetkonzern Amazon verbucht seine deutschen Verkäufe seit Mai nicht mehr in Luxemburg, sondern in Deutschland. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher der Süddeutschen Zeitung. Damit versteuert der Konzern die deutschen Gewinne auch erstmals in Deutschland. 

Deutschland ist für Amazon ein wichtiger Markt, der schnell wächst. Der Konzern hat dem Bericht zufolge hierzulande im vergangenen Jahr Waren im Wert von fast zwölf Milliarden Dollar (etwa 10,8 Milliarden Euro) verkauft. 2012 waren es rund neun Milliarden Dollar. Allerdings wird das neue Steuermodell des Konzerns Deutschland keine großen Steuereinnahmen bringen, denn Amazon macht kaum Gewinn. Konzernchef Jeff Bezos will expandieren und investiert den Großteil seines Profits direkt wieder. 

Bisher verbuchte Amazon seine deutschen Verkäufe über die Konzerntochter Amazon EU S.à.r.l. in Luxemburg, der Konzern hatte dort ein Steuersparmodell aufgesetzt. Die EU-Kommission prüft seit Herbst letzten Jahres, ob dieser Steuerdeal legal ist, da Amazon im Vergleich zu anderen Unternehmen in Luxemburg zu wenig Steuern gezahlt haben soll.

Das bisherige Steuerabkommen mit der EU S.à.r.l. stammt aus dem Jahr 2003. Es legte fest, dass Amazon den Großteil seines Profits innerhalb der EU in Luxemburg verbucht, er dort aber nicht oder nur in sehr geringem Maße besteuert wird. Die Höhe der Nachlässe für den amerikanischen Onlinehändler in Luxemburg entspreche nach bisheriger Einschätzung "möglicherweise nicht den Marktbedingungen", teilte die Kommission bereits im Oktober mit. Denn im Vergleich zu anderen Unternehmen verschaffe sich Amazon womöglich einen wirtschaftlichen Vorteil.

Amazon hat seine Geschäftspraxis auch in Großbritannien umgestellt. Ähnlich dem deutschen Modell verbucht der Konzern auch seine britischen Verkäufe seit 1. Mai über eine lokale Niederlassung.   

Viele große US-Konzerne stehen wegen ihrer Steuertricks in der Kritik. Sie bündeln ihre europäischen Geschäfte in Tochterfirmen, die in Ländern mit niedrigen Steuersätzen angesiedelt sind, Apple und Google etwa verbuchen ihre Einnahmen in Irland. Apple hat in Irland einen Spezialdeal und zahlt weniger als zwei Prozent Unternehmenssteuer. Lizenzgebühren an andere Zweigfirmen wiederum lassen die Gewinne vieler Unternehmen so weit schrumpfen, dass oft, wie im Fall von Amazon, am Ende der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung eine Negativbilanz steht. Dann werden auch kaum Steuern fällig.