Der aktuelle Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn dauert seit Juli 2014 an. Von ihm sind insgesamt 160.000 Mitarbeiter des Konzerns betroffen. In den Verhandlungen mit der Lokführergewerkschaft GDL und der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) haben sich mehrere entscheidende Punkte herausgestellt.

Zuständigkeit für die Berufsgruppen

Bis zum vergangenen Sommer liefen die Verhandlungen vergleichsweise einfach: Die EVG handelte für rund 140.000 Bahn-Mitarbeiter die Arbeitsbedingungen aus, darunter Zugbegleiter, Lokrangierführer und Mitarbeiter im Bordservice. Die kleinere GDL war für die rund 20.000 Lokführer zuständig – egal ob gewerkschaftlich organisiert oder nicht.

Nun wollen beide Gewerkschaften Abschlüsse aushandeln, in denen sich alle ihre Mitglieder wiederfinden. Die EVG verhandelt jetzt somit für Lokführer, die GDL unter anderem auch für Bordgastronomen und Lokrangierführer. Teilweise überschneiden sich die Berufsgruppen. Davon sind laut Bahn rund 37.000 Mitarbeiter betroffen.

Eigenständige Tarifverträge

Die Bahn gesteht beiden Gewerkschaften eigene Abschlüsse zu. Sich widersprechende Tarifergebnisse für ein und dieselbe Berufsgruppe will der Konzern vermeiden. Der Bahn-Vorstand führt an, dass unter anderem die Schichtplanung komplizierter würde, wenn es beispielsweise für Lokführer zwei Abschlüsse mit anderen Regelungen zu Arbeitszeit und Pausen gäbe.

Die Deutsche Bahn versucht deshalb, in den getrennt laufenden Verhandlungen mit beiden Gewerkschaften auf einen Nenner zu kommen. Die GDL sieht darin einen Eingriff in die Tarifautonomie und wirft der Bahn vor, ihr mit dieser Vorbedingung die Tarifabschlüsse der EVG aufdrücken zu wollen. Die Zeit drängt: Mit dem Tarifeinheitsgesetz könnte die GDL bedeutungslos werden. Und steht erst einmal eine Einigung zwischen Bahn und EVG, sind in wesentlichen Punkten auch für die GDL Fakten geschaffen.

Lohnforderungen und Laufzeiten

Hier liegen die Bahn und beide Gewerkschaften auseinander. Der Konzern bietet eine Lohnsteigerung um 4,7 Prozent in zwei Stufen. Nach Angaben der EVG beträgt die Laufzeit aber 29 Monate. Das wären auf ein Jahr gerechnet noch nicht einmal zwei Prozent mehr Geld. Das ist der EVG zu wenig. Sie erwartet deshalb, dass die Bahn bei der letzten Verhandlungsrunde am Donnerstag die Laufzeit verkürzt. Die EVG fordert sechs Prozent mehr Lohn, die GDL fünf – keine der beiden Gewerkschaften nennt aber eine Laufzeit.

Das jüngste Angebot der Deutschen Bahn sieht zudem unterschiedliche Laufzeitenden für Tarifverträge vor. So sollen etwa die Abschlüsse für Beschäftigte im Dienstleistungsbereich oder in der Kommunikationstechnik vier Monate später auslaufen als für zahlreiche andere Mitarbeiter. Die EVG fordert ein einheitliches Enddatum, damit die Verträge bei der nächsten Tarifrunde wieder gemeinsam auf den Tisch kommen.

Stellung der Lokrangierführer

Bei der Deutschen Bahn gibt es insgesamt 3.100 Lokrangierführer. Nach Angaben der GDL fahren 2.500 von ihnen auch auf der Strecke Züge. Sie müssten deshalb genauso bezahlt werden wie Lokführer und nicht als "billiger Jakob der Streckenlokomotivführer" eingesetzt werden.

Mit dieser Forderung versucht die GDL, der EVG Mitglieder dieser Berufsgruppe abspenstig zu machen. Die EVG will deshalb den Job der Lokrangierführer attraktiver machen und hat sich nach eigenen Angaben mit der Bahn darauf geeinigt, das neue Berufsbild des Transportlogistikers zu schaffen. Darunter sollen Lokrangierführer mit besonderen Qualifikationen fallen.