Am Anfang war die Idee: Der eigene Stromverbrauch soll möglichst intuitiv kontrolliert und gemessen werden können. Es gibt zwar sogenannte Smart Meter von manchen Energieversorgern, aber längst nicht jeder Verbraucher hat Zugang zu einem solchen Gerät. Die Lücke will die Firma Canary Instruments füllen: mit einem eigenen System, das jeder Verbraucher zu Hause installieren kann, ohne dabei mit Strom führenden Drähten zu hantieren. Per Induktion wird der Stromverbrauch am Hauptkabel gemessen. "Wir haben ein intelligentes Nachtlicht erfunden, das Ihnen in Echtzeit mit Licht ein wunderschönes intuitives Feedback über Ihren Stromverbrauch gibt", sagt Kimberli Hudson, Geschäftsführerin von Canary Instruments.

Das ist schon einmal ein ziemlich guter elevator pitch, die knappste Form der Firmenpräsentation. Das Start-up hat sogar schon 300 Geräte verkauft, aber es ist noch einiges zu tun, um aus Canary Energy ein massentaugliches Produkt zu machen: Das Kästchen hat zwar zwei geschwungene Leuchtbögen, die per Farbe den aktuellen und täglichen Verbrauch verdeutlichen, ist ansonsten aber noch ziemlich hässlich und sieht ein bisschen selbst gebastelt aus. Da muss ein Designer ran. Und wenn das Produkt fertig ist, braucht man eine Fabrik, die es produziert, einen Finanzplan, einen Vertrieb.

In den nächsten vier Monaten soll aus der schon ziemlich weit gediehenen Idee ein fast marktreifes Produkt werden. Kimberli und ihre drei Kollegen gehören zu einer der 13 Firmen, die aus 350 Bewerbern ausgewählt wurden, um das am Hardware-Accelerator Highway1 in San Francisco zu lernen. Ein Accelerator, das ist ein Beschleuniger für Start-ups. Das Besondere an Highway1: Hier geht es ausschließlich um Firmen, die etwas Handgreifliches herstellen wollen, meist ein Produkt für den Endverbraucher. Während es Hunderte von Software-Acceleratoren allein im Silicon Valley gibt, existiert weltweit nur eine Handvoll dieser Förderprogramme für Hardwarefirmen.

Noch vor zehn Jahren reichte es nicht aus, einfach eine gute Idee zu haben – die Barrieren für den Marktzutritt waren fast unüberwindbar. Das hat sich radikal geändert, aus mehreren Gründen: Die Maker-Bewegung hat sich weltweit etabliert. Mit preiswerten 3-D-Druckern stellen enthusiastische Bastler heute im Handumdrehen überzeugende Prototypen her, eine Idee nimmt somit schnell Form an. Standardisierte Plattformen wie Arduino oder Raspberry Pi ermöglichen den flotten Entwurf elektronischer Schaltkreise. Und wer dann aus der Bastelei ein Geschäft, aus dem Prototypen ein Massenprodukt machen will, der kann per Crowdfunding über Websites wie Kickstarter oder Indiegogo die ersten Kunden und Investoren gewinnen, ohne dass er ein riesiges Marketingbudget braucht.

Brady Forrest, der als Vizepräsident die Geschäfte von Highway1 führt, hat ziemlich genaue Vorstellungen, wie das ideale Start-up für das vier Monate dauernde Programm aussieht: "Idealerweise sind das zwei bis vier Leute mit einem funktionierenden Prototypen, mit fertigen elektronischen Platinen, die schon über den Markt nachgedacht haben." All diese Pläne werden noch einmal realistisch nachgerechnet, denn "wir haben nicht den blauäugigen Optimismus der Gründer", sagt Forrest.

Der Deal: Den geförderten Firmen steht eine sehr gut ausgestattete Werkstatt zur Verfügung. Ingenieure beraten sie bei der Technik, Designer bei der Entwicklung einer überzeugenden Form. Eine zehntägige Chinareise nach Shenzhen steht auf dem Programm, wo die Neulinge mit möglichen Fabrikationsstätten zusammenkommen. Und schließlich werden sie von einem so genannten Story Coach darauf trainiert, beim abschließenden demo day etwa 100 potenziellen Investoren ihr Produkt anzupreisen. Zusätzlich bekommt jedes Start-up 50.000 Dollar.

Die Gegenleistung: PCH, die Firma, die hinter Highway1 steckt, bekommt einen Anteil von vier bis sieben Prozent an jedem der Start-ups. Das ist die klassische Risikokapital-Methode: Es wird ein überschaubarer Betrag in viele einzelne Firmen gesteckt, und wenn eine oder zwei nachher einen hohen Millionenbetrag einfahren, lohnt sich das Gesamtgeschäft.