Im wichtigsten Betrugsfall auf der Baustelle des neuen Berliner Airports BER gibt es neue Entwicklungen. Ein korrupter Manager der Flughafengesellschaft und drei leitende Angestellte der in die Kritik geratenen Gebäudetechnikfirma Imtech müssen sich nun vor dem Landgericht Cottbus verantworten. Entsprechende Informationen von ZEIT und ZEIT ONLINE hat die Staatsanwaltschaft Neuruppin mittlerweile bestätigt. Imtech ist als zentrales Unternehmen beim Bau des Flughafens unter anderem für die Starkstromanlagen zuständig sowie für die Installation der Sanitär-, Heizungs- und Sprinkler-Technik.

Neben dem ehemaligen Baubereichsleiter Francis G., klagt die auf Korruption spezialisierte Staatsanwaltschaft Neuruppin auch drei ehemalige Manager des mittlerweile insolventen Gebäudeausrüsters Imtech an. Sie wirft dem BER-Bereichsleiter G. Bestechlichkeit im besonders schweren Fall vor. Dem damaligen Deutschland-Chef von Imtech wird Bestechung im besonders schweren Fall sowie zwei weiteren ehemaligen Topmanagern Beihilfe dazu vorgeworfen.

Der BER-Mann Francis G. soll die Bestechung im Jahr 2012 geplant und mit dem damaligen Deutschlandchef von Imtech, Klaus B., ausgehandelt haben. Der Bauingenieur bot für Geld an, seinen Einfluss auf der Baustelle dafür einzusetzen, dass Zahlungen an Imtech und eine Arbeitsgemeinschaft, an der Imtech beteiligt gewesen war, schneller angewiesen würden. Der damalige Imtech-Direktor Oliver R. soll das Schmiergeld dann wenig später in einem Briefumschlag an einer Autobahnraststätte an der A 24 in Brandenburg an Francis G. übergeben haben. Später fanden die Ermittler 150.000 Euro in bar im Haus des BER-Bereichsleiters in Berlin.

Fast ein Jahr lang hatten zwölf Polizisten einer Wirtschaftsspezialeinheit des Landeskriminalamtes sowie Ermittler der Staatsanwaltschaft Mails, Chats und WhatsApp-Nachrichten ausgewertet und konnten so den Weg des Geldes von der Imtech-Deutschlandzentrale in Hamburg zu G. nachverfolgen.

Die Fahnder konnten auch Hinweise sammeln, wonach diese Geldzahlung im direkten Zusammenhang mit genehmigten Nachträgen in Höhe von 66 Millionen Euro an Imtech und die Arbeitsgemeinschaft stehen soll. Wenige Tage nach der Geldübergabe, kurz vor dem Jahreswechsel 2012/2013, hatte die BER-Gesellschaft die Millionen an die Firmen überwiesen. Den Rechnungen standen keine geprüften Gegenleistungen von den Bauunternehmen gegenüber. Francis G. saß zwischenzeitlich in Untersuchungshaft, war im September 2015 aber gegen eine Geldzahlung freigelassen wurden. Auch die Imtech-Manager sind auf freiem Fuß.

Die Geschäftspraktiken einiger Manager von Imtech bis zum Frühjahr 2013 sind auch ein Grund, warum der Flughafen bis heute nicht eröffnet ist. Darüber hatte die ZEIT vor einigen Wochen berichtet. Die deutsche Imtech-Konzerntochter hat mittlerweile Insolvenz angemeldet. Im November soll die Firma an die Zech Group in Bremen verkauft werden.