Celle – oder besser: der Ort Wietze im Landkreis Celle – ist die Wiege der deutschen Erdöl- und Erdgasindustrie. Hier wurde vor mehr als 150 Jahren zum ersten Mal erfolgreich nach Erdöl gebohrt, hier gab es en miniature einen Erdölboom wie in Texas. So ist in Celle eine starke Industrie gewachsen, die längst weltweit arbeitet. So gut wie kein Bohrloch auf der Welt – egal ob für Erdgas oder Erdöl –  wird ohne Beteiligung einer unserer Celler Firmen betrieben.

Die großen Konzerne dieser Branche sind bei uns: Baker Hughes, ITAG, Halliburton. Dazu kommen viele kleinere Zulieferfirmen. Nicht ohne Grund heißt es in den Fachkreisen, Celle sei das Houston Europas. Die Branche ist auch für die hohe Qualität in anderen Bereichen bekannt, etwa in der Tiefen-Geothermie. Celle ist sogar Standort der einzigen Bohrmeisterschule weltweit. Hier werden die notwendigen Nachwuchskräfte ausgebildet, die anschließend weltweit Arbeitsplätze finden.

Diese industrielle Entwicklung hat natürlich Folgen: Jeder dritte Arbeitsplatz in Celle hängt an der E&P-Industrie (Exploration und Produktion). Insgesamt sind rund 9.000 Arbeitsplätze in unserer 70.000 Einwohner-Stadt direkt oder indirekt von der Bohrtechnologie abhängig.

Umsatzrückgänge von bis zu 40 Prozent

Aber dieser hochtechnologische Wirtschaftszweig ist in seinem Bestand in Celle und damit in Deutschland und Europa bedroht. Aktuell machen der Celler Erdöl- und Erdgasindustrie insbesondere der Preisverfall des Erdöls, der Stopp von Fracking-Bohrungen und die Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu schaffen. Umsatz, Beschäftigung und Investitionsplanungen gehen zurück, Schätzungen sprechen allein für das vergangene Jahr von Umsatzrückgängen in Höhe von bis zu 40 Prozent. In vielen Unternehmen hat es bereits Kurzarbeit und Entlassungen gegeben.

Der Preisverfall  von Erdöl und Erdgas geht auf internationale Umstände zurück. Daran können Bundesregierung und Bundestag nur wenig ändern. Aber durch die Verschleppung des Regelungspakets Fracking liegt rund eine Milliarde Euro an Investitionen auf Eis, die unmittelbar auch dem Celler Standort zugute kommen könnte.

Höchste Umweltstandards geplant

Die Verzögerung aber muss nicht sein, denn die geplante Neuregelung sieht die höchsten Umweltstandards weltweit vor. Und das alles vor dem Hintergrund, dass in den letzten 50 Jahren in Niedersachsen mehr als 300 konventionelle Fracks ohne irgendwelche nachweisbaren Komplikationen durchgeführt wurden. Fracking ist ein in Deutschland seit Jahrzehnten erprobtes Verfahren, das sich bei unseren geologischen Gegebenheiten bewährt hat. Die Technik ist beherrschbar. Unsere heimische Wirtschaft ist willens und in der Lage, unter den geplanten Rahmenbedingungen des aktuellen Gesetzentwurfes zu handeln. Aus geowissenschaftlicher Sicht gibt es keinen Grund, Fracking zu verbieten. Mir geht es bei der Debatte um das konventionelle Fracking – eben nicht im Schiefer, das steht auch gar nicht zur Debatte.