Volkswagen hat in den USA vor dem Ablauf eines Ultimatums erste Vorschläge zur Bewältigung des Abgasskandals eingereicht. Der Autobauer habe einen Rückrufplan für die von der Affäre um manipulierte Messwerte bei Emissionstests betroffenen Fahrzeuge der Modelljahre 2009 bis 2015 mit Zweilitermotoren vorgelegt, teilte die kalifornische Umweltbehörde CARB mit.

Die Aufseher haben nun bis zu 20 Geschäftstage Zeit, die Vorschläge zu prüfen. Sie hatten den Wolfsburgern eine Frist gesetzt, die um Mitternacht (Ortszeit) ausgelaufen wäre. VW hat zum Zeitplan des Rückrufs bislang nur vage Angaben gemacht. Zuvor hatten CARB und die US-Umweltbehörde EPA mitgeteilt, zusätzliche 75.000 Wagen des VW-Konzerns mit Dreiliterdieselmotoren wegen Manipulationsverdachts im Visier zu haben. 


Vertreter des Konzerns hätten bei einem Treffen eingeräumt, dass sämtliche Dieselfahrzeuge der Marken VW und Audi mit Dreilitermotoren aus den Modelljahren 2009 bis 2016 mit einer verdächtigen Software ausgestattet seien, teilten die Umweltbehörden EPA und CARB mit.

Bei den betroffenen Fahrzeugen handelt es sich der EPA zufolge um den Volkswagen Touareg und den Porsche Cayenne sowie um verschiedene Luxusmodelle von Audi. Bereits am 2. November hatten die Umweltbehörden VW und die Konzerntöchter mit einem entsprechenden Verdacht konfrontiert. Bislang war in diesem Fall aber nur wegen etwa 10.000 Wagen der Baujahre 2014 bis 2016 ermittelt worden.

Die Software ist allerdings eine andere, als die bereits als Schummelprogramm (Defeat Device) überführte, deren manipulativen Einsatz bei Emissionstests von etwa 480.000 Dieselfahrzeugen mit Zweilitermotoren VW bereits im September eingestanden hatte. Die zweite verdächtige Software wird Auxiliary Emissions Control Device (AECD) genannt und betrifft auch die VW-Premiummarke Porsche. Ob es sich dabei um ein Schummelprogramm handelt, muss sich erst zeigen.

VW hat Einbau strittiger Software nicht gemeldet

Die neuen Vorwürfe gegen VW bezögen sich zunächst vor allem auf Fehler im Zertifizierungsverfahren, sagte ein CARB-Sprecher auf Nachfrage. Der deutsche Autobauer habe es versäumt, den US-Behörden den Einbau der strittigen Software vorschriftsgemäß zu melden. Das heiße jedoch nicht, dass dieses Programm der Manipulation dienen müsse. Ob das der Fall sei, werde noch geprüft. Es liege den Behörden auch kein Schuldeingeständnis von VW dazu vor.

Volkswagen war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Bislang hat der Konzern stets abgestritten, dass es sich bei der AECD-Software um ein Schummelprogramm handelt. Es gehe um ein Hilfsgerät, das beim Warmlaufen der Abgasanlage zum Einsatz komme, hieß es. VW-US-Chef Michael Horn hatte erstmals bei einer Anhörung im US-Kongress am 8. Oktober erwähnt, dass es wegen der AECD-Programme Probleme mit den US-Behörden geben könnte.

Im September hatte VW öffentlich zugegeben, weltweit in etwa elf Millionen Dieselautos eine spezielle Software eingebaut zu haben, durch die Abgaswerte bei Emissionstests geschönt werden. Das Programm kann feststellen, ob sich ein Fahrzeug auf dem Prüfstand befindet. Nur dann wird die Abgasreinigung voll aktiviert. Im Normalbetrieb auf der Straße ist der Schadstoffausstoß jedoch viel höher. In den USA drohen dem Konzern deshalb Milliardenstrafen sowie hohe Rückrufkosten und teure Rechtsstreitigkeiten.