Die technische Lösung der VW-Affäre könnte deutlich weniger aufwendig werden als bisher angenommen. Bei den meisten Autos, deren Stickoxid-Ausstoß (NOX) als zu niedrig angegeben wurde, reiche ein Software-Update aus, teilte das Unternehmen mit. Bei den anderen betroffenen Fahrzeugen genüge es, ein Bauteil einzusetzen.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat den Umbauplänen für einen großen Teil der manipulierten VW-Dieselautos bereits zugestimmt. Rund 8,2 Millionen Wagen mit 1,6- und 2,0-Liter-Motoren können ab Anfang kommenden Jahres in der Werkstatt so eingestellt werden, dass sie die Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stickoxide einhalten.

Zu den Kosten für den bevorstehenden Rückruf könne man noch nichts sagen. Derzeit würden Verhandlungen mit Zulieferern laufen.

Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach VW-Angaben ein zusätzliches Bauteil aus. Dieses sei neben einer Aktualisierung der Software nötig, damit die Motoren die vorgeschriebenen Abgaswerte einhielten. Vor dem Luftfilter soll ein sogenanntes Luftgleitgitter am Ende eines Kunststoffrohrs angebracht werden, wodurch die Luftströmung stabilisiert werde, erläuterte VW. Dadurch kann die Motorsteuerung den Kraftstoff besser dosieren. Der Umbau dauere weniger als eine Stunde, Experten schätzen, dass für das Bauteil beim 1,6-Liter-Motor nicht mehr als zehn Euro anfallen.

Für die 5,2 Millionen Fahrzeuge mit 2,0-Liter-Motor reicht laut VW ein Software-Update aus. Die technische Lösung für die 1,2-Liter-Motoren, die in etwa 300.000 Fahrzeugen eingebaut worden sind, will der Konzern dem Kraftfahrt-Bundesamt bis kommende Woche präsentieren. Voraussichtlich soll auch hier ein Software-Update genügen.

Als Grund, warum das Luftgleitgitter nicht schon sehr viel früher entwickelt wurde, nannte VW den Fortschritt in der Motoren- und Softwareentwicklung in den vergangenen Jahren. So sei es heute sehr viel einfacher, Abläufe im Motor am Computer zu simulieren. Es handle sich um eine "simple aber kompliziert zu erfindende" Lösung, sagt VW-Konzernsprecher Hans-Gerd Bode.

Volkswagen will an geplanter Rücklage festhalten

Volkswagen geht davon aus, dass die Motorleistung und der Dieselverbrauch der umgerüsteten Autos sich durch die Maßnahmen nicht verschlechtern. Die bisherigen Tests mit den Lösungen sehen nach Angaben des Konzerns "sehr vielversprechend" aus. VW sichert allen betroffenen Kunden angemessenen Ersatz für den Fall zu, dass sie "durch die Umrüstung in ihrer Mobilität eingeschränkt werden". Außerdem verzichtet Volkswagen auf die Verjährung der Gewährleistungsansprüche.

Seit Anfang Oktober können VW-Kunden im Internet prüfen, ob ihr Fahrzeug von den Manipulationen betroffen ist. Neben Autos der Marke VW geht es auch um Fahrzeuge der VW-Töchter Seat, Audi, Škoda sowie VW-Nutzfahrzeuge.

Die Manipulationen hatten 2005 in den USA ihren Anfang genommen, als VW versuchte, die schärferen Abgasvorgaben zu erfüllen. Konzernchef Matthias Müller hatte bereits zu Wochenanfang mitgeteilt, der Aufwand für die Nachrüstung sei "technisch, handwerklich und finanziell überschaubar". Dennoch will Volkswagen vorerst an den für den Rückruf zur Seite gelegten 6,7 Milliarden Euro festhalten. Solange nicht absehbar sei, wie hoch die Kosten am Ende seien, werde man die Rückstellungen nicht verringern, sagte ein VW-Sprecher. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer beziffert die Kosten für die Rückrufaktion in Europa auf etwa 500 Millionen Euro.

EU-Kommission angeblich über Manipulation informiert

Inzwischen hat VW zugegeben, dass bei 800.000 Fahrzeugen falsche Kohlendioxid-Werte angesetzt und damit falsche Verbrauchsversprechen gemacht wurden. Dafür kalkuliert der Konzern weitere zwei Milliarden Euro. Außerdem hat sich die Abgasmanipulation in den USA inzwischen ausgeweitet. Dort sind auch V6-TDI-Motoren mit drei Litern Hubraum von Audi betroffen. Über die technischen Lösungen verhandelt Volkswagen gerade mit den US-Umweltbehörden.

Die EU-Kommission könnte schon deutlich früher über die Abgas-Manipulationen durch VW informiert worden sein. Der frühere EU-Kommissar Antonio Tajani sei im Juli 2012 von einem Manager eines Autozulieferers darüber informiert worden, dass Autohersteller in der EU mit Softwareprogrammen die Emissionen von Stickoxiden (NOx) und Kohlendioxid (CO2) bei Zulassungstests illegal manipulierten, berichtet die Wirtschaftswoche. Bei einem persönlichen Treffen am 4. Juli 2012 in einem Straßburger Büro der EU-Kommission hätte dies der Manager dem damaligen EU-Kommissar mitgeteilt. An dem einstündigen Treffen hätten sechs Personen teilgenommen, vier davon von der EU-Kommission.