Die Deutsche Bank in Moskau © Vasily Maximov/AFP/Getty Images

Der Geldwäsche-Verdacht bei der Deutschen Bank in Russland weitet sich aus: Dort dürften Kunden nach neuesten Erkenntnissen der Ermittler Rubel-Schwarzgeld in Höhe von insgesamt zehn Milliarden Dollar gewaschen haben. Das berichten Reuters, die Agentur Bloomberg und die Süddeutsche Zeitung.

Bislang war von sechs Milliarden Dollar die Rede gewesen. Bei internen Untersuchungen wurden nun weitere verdächtige Transaktionen aufgedeckt. Diese Ergebnisse habe die Bank im September an internationale Behörden weitergeleitet, die sich den Fall ebenfalls anschauen. Dazu gehören unter anderem das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York (DFS).

Die zuerst aufgedeckten fragwürdigen Geschäfte waren laut Süddeutscher Zeitung sogenannte Spiegelverkäufe: Kunden der russischen Deutsche-Bank-Tochter kauften Wertpapiere in Rubel, die ihnen die Bank dann in Dollar wieder abkaufte. Bei den nun bekannt gewordenen Fällen ist die Bank nur auf einer Seite des Spiegelgeschäfts tätig geworden. Die andere Seite bildeten andere Geldinstitute.

Die Deutsche Bank wollte sich nicht zu den Medienberichten äußern. Eine Sprecherin verwies auf die bisherige Stellungnahme des Instituts, wonach Aktienhandelsgeschäfte in Moskau und London untersucht würden, deren Gesamtvolumen "erheblich" sei. "Die Untersuchungen der Deutschen Bank bezüglich eventueller Rechtsverletzungen, Verordnungen und Richtlinien sowie des internen Kontrollsystems sind noch nicht abgeschlossen. Zum aktuellen Zeitpunkt wurden bestimmte Verstöße gegen Bankverordnungen und Mängel im Kontrollumfeld der Deutschen Bank festgestellt." Gegen einzelne Personen seien disziplinarische Maßnahmen eingeleitet worden.

Einem von Reuters befragten Insider zufolge hat bislang lediglich die Russische Zentralbank eine Ministrafe von 5.000 Dollar gegen das Frankfurter Institut verhängt – wegen mangelhafter Kontrollen darüber, mit wem eigentlich Geschäfte gemacht wurden.

Die Vorfälle könnten die Deutsche Bank viel Geld kosten – weil auch die US-Behörden ermitteln. Das tun sie zwar immer, wenn der Dollar involviert ist. Inzwischen geht es aber auch um die Frage, ob Sanktionsverstöße vorliegen, die noch gar nicht so alt sind. Eventuell wurden Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht, die seit der Krim-Krise mit Strafmaßnahmen belegt sind. Der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan, der die unzähligen Skandale des Hauses endlich abhaken will, hatte Ende Oktober gesagt, die Bank habe zwar Rückstellungen für den Fall von Strafen gebildet. Sie könnten aber möglicherweise nicht ausreichen, das Institut sei hier "verwundbar".

Aus Finanzkreisen verlautete, die Bank habe für Russland bislang weniger als eine Milliarde Euro zur Seite gelegt, weil es schlichtweg keine Vergleichsfälle in der Branche gebe und es schwer sei, drohende Strafen abzuschätzen. Laut eines Insiders könnte die Angelegenheit die Dimension des Libor-Zinsskandals annehmen. Hier hatten Behörden in Großbritannien und den USA der Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar auferlegt – die EU-Kommission kassierte zusätzlich 725 Millionen Euro.