Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt © Daniel Roland/AFP/Getty Images

Die Deutsche Bank steht unter Verdacht, in ihre elektronische Devisen-Handelsplattform Autobahn Schummelsoftware eingebaut zu haben, um sich selbst zulasten der Kunden zu bereichern. Diesen Vorwurf erhebe die amerikanische Kanzlei Hausfeld in einer Sammelklage, die sie kurz vor Weihnachten bei einem New Yorker Gericht eingereicht habe, berichtete der Spiegel.

Konkret geht es laut Spiegel um den Vorwurf, die Bank habe Autobahn so programmiert, dass sich die Ausführung von Kundenaufträgen im Devisenhandel unnötig verzögert. Diese Zeit habe sie genutzt, um Aufträge zurückzuweisen, wenn sich der Markt in eine für sie ungünstige Richtung entwickelte. In anderen Fällen habe sie Aufträge zu einem schlechteren als dem zuvor angezeigten Kurs ausgeführt.

Weltweit untersuchen Kontrolleure schon seit Längerem, ob Großbanken am billionenschweren Devisenmarkt getrickst haben, um Gewinne zu machen – ähnlich wie beim Skandal um manipulierte Zinsen. Einige Häuser haben mit ihren Streitgegnern milliardenteure Vergleiche geschlossen. Die Deutsche Bank zählt nicht dazu, obwohl sie einer der größten Devisenhändler der Welt ist.

Die Konzernführung hat wiederholt beteuert, mit den Aufsichtsbehörden zu kooperieren. Eine interne Untersuchung der Deutschen Bank hat nach Angaben aus Finanzkreisen bislang keinerlei Hinweise auf Tricksereien bei den großen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen ergeben, wohl aber vereinzelt beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso. Einige Händler wurden vom Dienst suspendiert.

Der Devisenskandal rangiert Insidern zufolge inzwischen nicht mehr ganz oben auf der Liste jener Rechtsstreitigkeiten, die die Bank derzeit am meisten beschäftigen. Das sind eher US-Hypothekenklagen, wo noch Strafzahlungen ausstehen. Aber auch mit dem Devisenskandal sind die Hausjuristen trotzdem gut beschäftigt: Aus dem Zwischenbericht zum dritten Quartal geht hervor, dass die Deutsche Bank in diesem Zusammenhang bereits mit Beklagten in mehreren als Sammelklage bezeichneten Verfahren in den USA ist.

Die klageführende Kanzlei Hausfeld kündigte zwei weitere Klagen in dieser Sache gegen die Bank am Finanzplatz London an. In einer ersten Klage im Frühjahr soll es zunächst um den schon länger bekannten Vorwurf der Kartellbildung im Devisenhandel gehen, zu den Klägern gehören Banken, Unternehmen, Pensionsfonds und mehrere Zentralbanken. Noch im ersten Halbjahr will Hausfeld eine zweite Klage wegen des mutmaßlichen Betrugs durch Schummelsoftware anstrengen. Das Institut weist die erhobenen Vorwürfe zurück, wie ein Sprecher in Frankfurt sagte.