Volkswagen will die in Europa vom Abgasskandal betroffenen Kunden nicht mit Einkaufsgutscheinen entschädigen, wie das in den USA der Fall ist. Die Situation in den USA und Kanada sei nicht mit der in anderen Märkten vergleichbar, teilte das Unternehmen mit. Die Kunden in Nordamerika würden wahrscheinlich länger auf geeignete Lösungen warten als in den meisten anderen Ländern. Daher könne die Aktion nicht einfach auf andere Märkte übertragen werden.

In den USA bietet VW den Käufern von Autos mit Zwei- und Drei-Liter-Dieselmotoren ein Wiedergutmachungspaket im Wert von insgesamt 1.000 Dollar an. Es beinhaltet eine Prepaid-Kreditkarte mit 500 Dollar (420 Euro), einen Gutschein im selben Wert, den die Kunden bei einem VW-Händler einlösen können, sowie Pannenhilfe für drei Jahre. Das Angebot stößt auf große Resonanz.

Die EU-Kommission und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hatten Volkswagen zu einer Gleichbehandlung der Kunden aufgefordert. EU-Industriekommissarin Elżbieta Bieńkowska sagte nach einem Treffen mit VW-Konzernchef Matthias Müller, Verbraucher aus der EU sollten "so behandelt werden wie US-Verbraucher".

Volkswagen verwies hingegen darauf, dass der Rückruf von Autos mit manipulierten Stickoxidwerten in Europa in der nächsten Woche beginne. Das Unternehmen arbeite an einem Gesamtpaket für alle betroffenen Märkte, um den Nachbesserungsprozess für die Kunden so angenehm wie möglich zu gestalten. Den Auto-Besitzern entstünden durch die Reparatur ihrer Wagen keine Kosten.

Müller habe bei dem Treffen mit der EU-Industriekommissarin zugesichert, "ohne Verzögerung" die technischen Informationen zu liefern, damit die Kommission einschätzen könne, ob die geplanten Gegenmaßnahmen des Konzerns wirksam seien. Bieńkowska sagte, es sei "gleichfalls dringend, alle Details mit Blick auf Abweichungen bei CO2-Emissionen und Verbrauchsdaten mitzuteilen".

VW dementiert Streichung von Arbeitsplätzen

Unterdessen hat VW einen angeblich nahenden Abbau Tausender Stellen dementiert. Das Manager Magazin hatte berichtet, der Autobauer wolle seinen Sparkurs noch verschärfen. Damit stünden "weit mehr als 10.000" Arbeitsplätze auf dem Spiel. Der Konzern teilte dazu mit: "Wir weisen diese Meldung strikt zurück. Wir stehen fest zu unserer Stammbelegschaft." 

Im September war der Abgasskandal von den US-Umweltbehörden EPA und CARB öffentlich gemacht worden. Volkswagen hatte zugegeben, Diesel-Emissionswerte millionenfach durch eine Software manipuliert zu haben. In den USA droht Volkswagen deswegen eine milliardenschwere Strafe. Anwälte haben zudem Schadensersatzklagen eingereicht. Weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge von Manipulation betroffen, allein in Europa sind es 8,5 Millionen.

Mit der Abgasaffäre wird sich ab dem 1. Februar aber auch ein Untersuchungsausschuss im Europaparlament beschäftigen. Das Parlament legte nun die 45 Mitglieder des Gremiums fest. Der Ausschuss soll unter anderem klären, welche Fehler auf EU- und auf nationaler Ebene gemacht wurden, die den jahrelangen Betrug ermöglichten.