Ein kalifornisches Bezirksgericht hat den ehemaligen Chef des US-amerikanischen Bundespolizei FBI, Robert S. Mueller, als Schlichter in den VW-Abgasprozessen eingesetzt. Er werde dank seiner Erfahrung und seines Urteilsvermögens die Vergleichsgespräche zwischen den diversen Parteien erleichtern, teilte das Gericht mit. Mueller soll helfen, in den mehr als 500 eingereichten Klagen eine Einigung herbeizuführen.

Offen ist derzeit, inwiefern Louis Freeh, Muellers Vorgänger an der Spitze des FBI, in die Abwicklung des Abgas-Skandals eingebunden wird. Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR hatten am Montag über Pläne der Konzernführung berichtet, Freeh in den USA als Vermittler zwischen VW und den Behörden zu beschäftigen. Die Personalie scheitert nach Informationen von Spiegel Online  jedoch am Widerstand der Arbeitnehmer. Die würden in dieser Funktion das dafür vorgesehene Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt bevorzugen. Der Aufsichtsrat habe wegen des Widerstandes des Betriebsrats die Entscheidung über die Personalie Freeh verschoben, berichtete die Süddeutsche.

Der Konzern äußerte sich nach einer Tagung des Aufsichtsratspräsidiums verhalten zu den Berichten. VW wolle wegen der Vorfälle in den USA "weitere externe Spezialisten" verpflichten, sagte ein Sprecher. Das Präsidium des Aufsichtsrats habe "ein entsprechendes Kandidatenprofil erörtert". Eine Entscheidung werde in den kommenden Wochen fallen.

Ex-BMW-Manager Woebken neuen Nordamerika-Chef

Bereits gefällt hat der Kontrollrat die Entscheidung über den Posten des Nordamerika-Chefs: Der frühere BMW-Manager Hinrich Woebcken tritt den Posten zum 1. April an, teilte VW mit. Er ist damit bei Volkswagen künftig für die USA, Kanada und Mexiko zuständig. Der US-Chef Michael Horn bleibe weiter im Amt.

"Herr Woebcken wird mit seiner internationalen Erfahrung einen wichtigen Beitrag zur positiven Entwicklung der Marke in der Region leisten", sagte VW-Markenchef Herbert Diess. Die USA seien für die Marke Volkswagen ein wichtiger Kernmarkt. "Deshalb erfolgt die Steuerung der Region Nordamerika im Interesse unserer Kunden und Händler vor Ort."

Woebcken werde sich zunächst vor allem um die Folgen der Abgas-Manipulationen bei Diesel-Fahrzeugen kümmern, berichtete das Manager Magazin, das die Personalie zuerst gemeldet hatte, unter Berufung auf Konzernkreise. In dieser Frage muss sich der Konzern insbesondere mit den US-Behörden auseinandersetzen. Wegen der Manipulationssoftware, die weltweit in Millionen Fahrzeugen installiert ist, drohen VW in den USA hohe Strafzahlungen.

Woebcken war rund zehn Jahre lang bei BMW unterhalb der Vorstandsebene unter anderem für den Einkauf zuständig. Zuletzt war er Nutzfahrzeug-Vorstand beim Zulieferer Knorr-Bremse, hatte das Unternehmen aber nach rund zwei Jahren Mitte 2015 wieder verlassen. Er scheide "in gegenseitigem Einvernehmen aus, um eine andere berufliche Tätigkeit zu übernehmen", hatte Knorr damals mitgeteilt.

Aufsichtsrat stellt sich hinter Müller

Volkswagen stellte zudem für die Hauptversammlung im April einen detaillierten Bericht über die Ergebnisse der eigenen Ermittlungen im Abgasskandal in Aussicht. Dabei wolle der Konzern insbesondere über den Ablauf der Ereignisse und die Frage informieren, welche Abteilungen und hierarchischen Ebenen wann und wie informiert und involviert waren, kündigte VW nach der Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums an.

Der Kontrollrat beriet nach Konzernangaben auch "umfänglich über alle Aspekte von Müllers Aufenthalt in den USA". Seine Position habe nie zur Disposition gestanden. Anderweitige Spekulationen entbehrten jeder Grundlage und würden von dem Unternehmen ausdrücklich zurückgewiesen, sagte ein Sprecher. Müller hatte vergangene Woche am Rande der Detroiter Automesse die Abgasaffäre als lediglich "technisches Problem" bezeichnet. Nach Einschätzung von Analysten dürfte dies die Chancen auf eine gütliche Einigung mit den Behörden erschwert haben.