Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung wünscht sich nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns eine staatliche Schranke gegen Spitzeneinkommen. Laut einer repräsentativen Umfrage der Wochenzeitung DIE ZEIT wünschen sich 44 Prozent der Befragten, "dass in Deutschland eine Obergrenze für die Einkommenshöhe festgesetzt wird". Nur knapp mehr als ein Viertel lehnen diesen Vorschlag klar ab, 29 Prozent sind unentschieden. Die Idee eines Höchstlohns stößt insbesondere in Ostdeutschland auf Zustimmung. Dort spricht sich eine Mehrheit von 58 Prozent dafür aus. Im Westen sind 41 Prozent dafür.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Kritik an der oftmals großen Differenz zwischen Chefgehältern und dem Lohn der Angestellten in Unternehmen. 2013 konnten Schweizer Bürger beispielsweise über die 1:12-Initiative abstimmen. Die Volksinitiative, die von den Jungsozialisten aufgestellt und von den Grünen und Sozialdemokraten unterstützt worden war, forderte eine Lohnobergrenze: Niemand solle mehr als zwölfmal so viel verdienen wie der schlechtbezahlteste Mitarbeiter im Unternehmen. Die Initiatoren argumentierten, dass eine geringere Lohndifferenz die Wirtschaft fördere. Die meisten Angestellten würden von einem Mehrlohn profitieren und könnten wiederum den Konsum ankurbeln. Die Initiative wurde mit 65,3 Prozent zu 34,7 Prozent abgelehnt.

Auch in Deutschland wird über eine Begrenzung von Managergehältern diskutiert. Kritiker sagen, dass die individuelle Leistung auf dem Markt nicht den Lohn bestimme. Ob ein Unternehmen erfolgreich sei oder nicht, hänge von der Nachfrage des Produktes oder der Dienstleistung ab, die das Unternehmen anbiete. Große Gehaltsunterschiede würden daher oft nicht mit der persönlichen Anstrengung des Mitarbeiters zu erklären sein. Gerade während der Finanzkrise waren beispielsweise üppige Bonuszahlungen an Banker umstritten.

Auf der anderen Seite sprechen sich viele Unternehmer und Parteien gegen staatliche Eingriffe in die Wirtschaft aus. Eine Lohnobergrenze würde dazu führen, dass sich Konzerne aus der Schweiz zurückzögen, argumentierten zum Beispiel Gegner der 1:12-Initiative. Das wiederum würde zu Arbeitsplatzverlusten führen. Der Staat solle sich aus den Angelegenheiten der Unternehmen heraushalten, um die Wettbewerbsfähigkeit zu wahren. Der Lohn solle allein vom Markt bestimmt werden. 

Studie - Deutsche brechen mit alten Werten Was wollen wir der nächsten Generation vererben, welche Werte sind uns wichtig? Das Wissenschaftszentrum Berlin, Infas und DIE ZEIT haben in Berlin die Ergebnisse ihrer Studie präsentiert.