Frage: Herr Krogmann, in einem Magazinbericht hieß es einmal, Primark sei Crystal Meth für die Jugend. Teenager kommen in Horden, stopfen sich die Taschen voll und shoppen sich high. Verderben Sie die Jugend?

Krogmann: Das ist Ihr Eindruck, aber nicht die Erfahrung, die wir machen. Als wir neu waren in Deutschland, haben junge Kundinnen an sich gerissen, was sie tragen konnten, weil sie dachten, in einer halben Stunde gebe es das Angebot vielleicht nicht mehr. Die waren dann häufig aber auch zwei bis drei Stunden angereist, saßen am Ende in der Ecke auf dem Boden und haben aussortiert. Im Durchschnitt kaufen Kunden heute weniger als drei Teile.

Frage: Wenn ein T-Shirt drei Euro kostet, fördert das nicht die Wegwerf-Mentalität? Wie soll man da Wertschätzung lernen für das, was man kriegt?

Krogmann: Ehrlich gesagt finde ich das respektlos gegenüber denen, die nicht mehr ausgeben können. Und davon haben wir in der Gesellschaft genug. Wir haben eine sehr breite Zielgruppe, darunter Kunden, die nur an Mode interessiert sind, aber auch Kunden, die wenig Geld haben und froh sind, dass sie dafür etwas bekommen, das auch noch gut aussieht.

Frage: Tragen Sie Primark?

Krogmann: Anzüge gibt es nicht in meiner Größe, aber die Socken sind von Primark, die Krawatte auch. Die Krawatte hat 2,50 Euro gekostet. Sieht man ihr nicht an.

Frage: Eine Krawatte muss man nicht oft waschen. Wie steht es um die Qualität der T-Shirts?

Krogmann: Unsere T-Shirts werden in den gleichen Fabriken und aus den gleichen Materialien hergestellt wie die bekannter Mitbewerber. Die Menschen fragen uns: Warum verkauft ihr T-Shirts so billig? Ich frage: Warum verkaufen sie die anderen teurer? Wir erlauben uns eine sehr schlanke Struktur ohne Werbung, ohne Superstars, mit einer ganz flachen Verwaltung und hoch effizienter Logistik, so können wir günstige Preise anbieten.

Frage: Dann hält ein Primark T-Shirt genauso lange wie eines von Hilfiger?

Krogmann: Das hängt zuallererst vom Kunden ab. Wenn das 50 Euro teure Designer-T-Shirt von Hand gewaschen, liegend getrocknet und vorsichtig gebügelt wird, darf man es nicht vergleichen mit einem Primark-Teil, das man mit Handtüchern zusammen in der Maschine schleudert und anschließend in den Trockner tut. Ich habe meine Kinder gelehrt, die Dinge mit einer gewissen Würde zu behandeln und zu pflegen, egal, was sie gekostet haben.

Frage: Kaufen Ihre Töchter bei Primark?

Krogmann: Auch. Meine jüngste ist 21, die älteste 24. Sie ist Juristin und eine sehr kritische Konsumentin. Die setzt mich ganz schön unter Druck: Wo kommt das her? Kannst du deine Hand dafür ins Feuer legen, dass bei der Produktion dieses und jenes beachtet wurde?

Frage: Und? Können Sie Ihre Hand dafür ins Feuer legen, dass Ihre T-Shirts unter menschenwürdigen, fairen Bedingungen hergestellt wurden?

Krogmann: Ja. Und ich kann meine Hand dafür ins Feuer legen, dass wir alles tun, was wir können, um die Produktionsbedingungen weiter zu verbessern. Im vergangenen Juni war ich in Bangladesch, habe mit Arbeitern und Managern gesprochen. Wir haben Teams vor Ort, die die Einhaltung unseres Verhaltenskodex überprüfen.

Frage: Alles, was Sie können – wodurch ist das begrenzt? Es scheint doch so einfach zu sein: Ein Euro mehr pro T-Shirt, ein Euro mehr für die Näherin, die damit ihre Familie ernährt.

Krogmann: Es sind nicht unsere Fabriken. Wir teilen sie mit 98 Prozent unserer Wettbewerber. Das sind schon ausschließlich A-Fabriken, die in der Lage sind, unsere strikten Bedingungen zu erfüllen. Aber die Dinge werden dort nicht so kontrolliert, wie wir es gewöhnt sind. Wir gehen in die Personalbüros, checken Arbeits- und Pausenzeiten, beobachten, wie das Management mit den Mitarbeitern umgeht, wie die Auszahlung des Gehalts erfolgt und und und. Im letzten Jahr hatten wir 2.412 offizielle Kontrollen in den weltweit 750 Fabriken, in denen wir herstellen lassen. Das größte Beschaffungsland ist übrigens China. In Bangladesh befindet sich ein kleinerer Teil unserer Fabriken.