In der Abgas-Affäre hat die US-Justiz ihre Ermittlungen gegen VW ausgeweitet. © Justin Lane/EPA/dpa

Volkswagen muss im Abgasskandal in den USA mit neuen Vorwürfen rechnen: Das Justizministerium habe seine Ermittlungen auf Verdacht des Bankbetrugs und mögliche Verstöße gegen Steuergesetze ausgedehnt, berichtete das Wall Street Journal. Die Anwendung eines eigentlich für die Finanzbranche vorgesehenen Gesetzes könne für VW zusätzliche Strafen bedeuten.

Die Ermittler prüfen dem Bericht nach, ob Kreditgeber durch Manipulationen von VW bei der Autofinanzierung gefährdet wurden. Betroffene Fahrzeuge mit überhöhten Abgaswerten waren ursprünglich als umweltfreundlich vermarktet worden und haben durch die Affäre erheblich an Wert verloren. Außerdem soll untersucht werden, ob VW für Steuergutschriften haftbar ist, die US-Autokäufer für den vermeintlich geringen Abgasausstoß erhalten haben.

Laut Wall Street Journal zeigen die neuen Ermittlungen wegen Bankbetrugs das erste Mal, dass die USA ein für Regelverstöße von Banken entwickeltes Gesetz außerhalb der Finanzindustrie einsetzen. Damit würde "die Rechtstheorie gegen einen nicht besonders genehmen Beschuldigten bis an die äußersten Grenzen gedehnt", zitiert die Zeitung den Columbia-Rechtsprofessor John Coffee. Das Gesetz von 1989 war vor allem im Zuge der Finanzkrise 2008 genutzt worden, um Großbanken besser zur Verantwortung ziehen zu können.

VW-Abgasaffäre - Konsequenzen der Abgasmanipulation werden erst in Jahren deutlich Konzernchef Müller unterstrich in seiner Rede, dass man dabei sei, das Geschehene schonungslos aufzuklären.

Eine Sprecherin von VW sagte, dass das Unternehmen mit allen relevanten US-Behörden kooperieren werde. Volkswagen hatte im September nach Vorwürfen des US-Umweltamts EPA eingeräumt, Hunderttausende Dieselwagen in den USA mit einer Betrugssoftware für Abgastests ausgerüstet zu haben. Dem Konzern droht durch eine Zivilklage der US-Regierung bereits eine Strafe in zweistelliger Milliardenhöhe.

Zuvor hatten auch Frankreich und Deutschland die Ermittlungen gegen VW ausgeweitet. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine sogenannte richterliche Voruntersuchung wegen schweren Betrugs gegen Volkswagen ein.

Auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt inzwischen in größerem Umfang: Die Zahl der Beschuldigten im Verfahren zum VW-Abgasskandal ist laut Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe von sechs auf 17 gestiegen. Die Beschuldigten stammten "alle aus dem Umfeld des VW-Konzerns im weitesten Sinne". Es gehe weiterhin um den Verdacht des Betrugs und mögliche Verstöße gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb.