Medienberichten zufolge wirft ein ehemaliger VW-Mitarbeiter dem Konzern vor, Beweise zum Abgasskandal vernichtet zu haben. Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung habe er versucht zu verhindern, Daten im Rechenzentrum des US-Konzerns zu löschen. Kurz darauf sei er fristlos entlassen worden, da das Unternehmen davon ausgegangen sei, er habe die Umweltbehörde EPA, das US-Justizministerium und die Bundespolizei FBI informieren wollen.

Daraufhin reichte er im US-Bundesstaat Michigan Klage gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber ein. Darin berichtet er, dass er nach Bekanntwerden des Skandals der VW-Tochter am 18. September 2015 eine Anweisung des US-Justizministeriums ignoriert habe, sofort alle routinemäßigen Datenlöschungen zu stoppen. Demnach seien noch bis Anfang Oktober Daten rechtswidrig gelöscht worden. Die Klageschrift liegt NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung vor.

Laut tagesschau.de habe die IT-Abteilung außerdem verhindern wollen, dass interne Ermittler uneingeschränkten Zugang zu den Computersystemen bekommen.

Er sei entlassen worden, da er sich geweigert habe, sich an der Vernichtung von Beweismitteln und der Behinderung der Justiz zu beteiligen. Er fordert Schadensersatz von Volkswagen. Ein VW-Sprecher wollte die Vorwürfe nicht kommentieren.

Seit letzter Woche muss Volkswagen im Abgasskandal in den USA außerdem mit weiteren Vorwürfen rechnen: Das Justizministerium habe seine Ermittlungen auf Verdacht des Bankbetrugs und mögliche Verstöße gegen Steuergesetze ausgedehnt, berichtete das Wall Street Journal. Die Anwendung eines eigentlich für die Finanzbranche vorgesehenen Gesetzes könne für VW zusätzliche Strafen bedeuten. Knapp sechs Monate nach Bekanntwerden der Abgasaffäre ist der US-Chef von VW am vergangenen Mittwoch mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Michael Horn verlasse das Unternehmen, um sich anderen Aufgaben zuzuwenden, teilte Volkswagen mit. Die Hintergründe für den Rückzug Horns blieben zunächst unklar.