Die Zahl der Beschuldigten im Verfahren zum VW-Abgasskandal ist laut Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe von sechs auf 17 gestiegen. Damit hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig ihre Ermittlungen bedeutend ausgeweitet. Unter den Personen befinde sich aber nach wie vor kein Vorstandsmitglied, sagte Ziehe. Die Braunschweiger Zeitung hatte zuerst über die Ausweitung der Ermittlungen berichtet.

Die Beschuldigten stammten "alle aus dem Umfeld des VW-Konzerns im weitesten Sinne". Es gehe weiterhin um den Verdacht des Betrugs und mögliche Verstöße gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Das Bild der Ermittler zu den Hintergründen für die Manipulationen von Dieselfahrzeugen werde immer besser, sagte Ziehe. Nach wie vor würden Zeugen befragt und konfiszierte Akten ausgewertet. In den nächsten Tagen würden auch die neuen Personen auf der Liste der Beschuldigten benachrichtigt, um befragt zu werden.

Niedersachsens Regierungschef und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) hat derweil in der Abgas-Affäre vor neuen Hiobsbotschaften gewarnt. "Wir werden in diesem Jahr immer mal wieder mit unangenehmen Nachrichten im Zusammenhang mit Dieselgate konfrontiert werden", sagte der Ministerpräsident am Dienstag bei einer Betriebsversammlung im Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg.

Details zu seiner Warnung nannte Weil nicht. VW will in der zweiten April-Hälfte einen Zwischenbericht zur Schuldfrage vorlegen. Außerdem sind die Strafen – vor allem in den USA – noch nicht absehbar. In den Vereinigten Staaten ist noch nicht einmal ein Rückrufplan für die Autos beschlossen.

Die Staatsanwaltschaft hatte Ende September ein Ermittlungsverfahren gegen nicht näher genannte Mitarbeiter des Autobauers eingeleitet. Auch VW selbst hatte im September Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig gestellt. Anfang Oktober durchsuchten die Ermittler das VW-Werk in Wolfsburg und mehrere Privatwohnungen an unterschiedlichen Orten.

Vom Skandal um Manipulationssoftware in Dieselmotoren von VW sind weltweit elf Millionen Autos betroffen.