Kozo Takahashi, CEO von Sharp, bei einer Pressekonferenz © Yuya Shino/Reuters

Der Apple-Auftragsfertiger Foxconn übernimmt den angeschlagenen japanischen Elektronik-Konzern Sharp. Der Sharp-Vorstand beschloss, einem reduzierten Übernahmeangebot der Taiwanesen zuzustimmen.

Foxconn zahlt umgerechnet gut drei Milliarden Euro für zwei Drittel an dem angeschlagenen Traditionsunternehmen und damit etwa 800 Millionen Euro weniger als ursprünglich geplant, wie beide Seiten mitteilten. Es ist der größte Zukauf eines ausländischen Konzerns in der sonst sehr isolierten japanischen Technologiebranche.

Foxconn will neue Aktien von Sharp erwerben, womit die Taiwanesen künftig 66 Prozent an dem japanischen Unternehmen kontrollieren würden. Der Vertrag zur Übernahme soll am Samstag in Osaka unterzeichnet werden.

Sharp hatte der Übernahme in einem ersten Anlauf bereits vor Wochen zugestimmt. In letzter Minute wurde jedoch bekannt, dass Sharps Fehlbetrag im Geschäftsjahr bis Ende März mit rund 1,3 Milliarden Euro weit höher ausfallen wird als zunächst veranschlagt. Daraufhin war Foxconn, früher unter dem Namen Hon Hai Precision bekannt, nicht mehr bereit, den vereinbarten Kaufpreis zu zahlen.

Sharp verzeichnete hohe Verluste in den vergangenen Jahren

Sharp war ein Pionier bei flachen LCD-Bildschirmen, geriet in den vergangenen Jahren jedoch durch koreanische und chinesische Konkurrenz bei Bildschirmen für Fernseher und Smartphones unter Druck. Nach hohen Verlusten stand zeitweise sogar der Fortbestand des Unternehmens infrage. Sharp senkte nun seine Ertragsprognose für das an diesem Donnerstag endende Geschäftsjahr und geht jetzt von einem operativen Verlust in Höhe von 170 Milliarden Yen (1,3 Mrd. Euro) aus. Zuvor hatte das Unternehmen noch einen Betriebsgewinn von 10 Milliarden Yen in Aussicht gestellt. Der Umsatz dürfte sich auf 2,45 Billionen Yen statt 2,7 Billionen Yen belaufen, hieß es.

Foxconn könnte durch Sharp seine Position als wichtigster Apple-Zulieferer ausbauen und sich gleichzeitig für den Konkurrenzkampf mit dem südkoreanischen Rivalen Samsung besser aufstellen. Dabei geht es vor allem um die neuartigen Oled-Displays der Japaner. Sharp soll ab 2018 mit der Massenproduktion der technologisch fortschrittlichen Bildschirme beginnen. Es wird damit gerechnet, dass Apple die Technik ab dem Jahr in seinen iPhones einsetzt.

Experten in Tokio hatten lange den von der japanischen Regierung gestützten Fonds Innovation Network Corporation of Japan (INCJ) als Favoriten in dem Übernahmekampf angesehen. Der Kampf zwischen Foxconn und dem Fonds war als Test für Japans Bereitschaft angesehen worden, seine Wirtschaft zu öffnen. Japans Regierungschef Shinzo Abe hatte Reformen versprochen und um ausländische Investitionen geworben, um die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Angeschlagene japanische Konzerne konnten sich lange darauf verlassen, von der Regierung und den heimischen Banken gestützt zu werden.