Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat einen Milliardengewinn für das vergangene Geschäftsjahr angekündigt. © Jörg Carstensen/dpa

Trotz einschneidender Ereignisse wie dem Absturz von Germanwings-Flug 4U9525 mit 150 Toten und einer Reihe von Streiks hat die Lufthansa für ihre Bilanzpressekonferenz am kommenden Donnerstag einen stattlichen Gewinn angekündigt. Voraussichtlich wird der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr einen operativen Gewinn zwischen 1,75 und 1,95 Milliarden Euro (2014: 1,17 Milliarden Euro) vorweisen können – allerdings sind in diese Zahl nicht die Streikkosten des letzten Quartals einberechnet.

Analysten gehen von einem Nettogewinn von rund 1,5 Milliarden Euro aus. Es wird auch erwartet, dass der Umsatz von zuletzt 30 Milliarden Euro ebenfalls gestiegen ist, denn bis einschließlich September lagen die Erlöse der Lufthansa 7,4 Prozent im Plus.

Damit dürfte das schlechte Ergebnis von 2014 weit übertroffen werden. Im Geschäftsjahr 2014 waren die Aktionäre leer ausgegangen. Das könnte in diesem Jahr anders werden: Für die Berechnung der Dividende hat sich der Konzern ein neues Verfahren gegeben. Danach müssen zwischen 10 und 25 Prozent des Gewinns vor Zinsen und Steuern an die Anteilseigner ausgeschüttet werden. Und nicht nur das Management rechnet mit einer positiven Entwicklung, auch die Schweizer Bank UBS erwartet, dass es in diesem Jahr weiter nach oben geht. Nicht zuletzt ist die Prognose gut, weil der Ölpreis derzeit niedrig ist.

Gute Aussichten fürs kommende Geschäftsjahr

Auch die europaweite Expansion der neuen Billigmarke Eurowings verläuft bislang gut. Allerdings gab es wegen der häufigen Verspätungen bei den Fernflügen wiederholt Kritik an Eurowings.  

Auch im Tarifkonflikt gibt es Fortschritte: So haben mit dem Bodenpersonal und den Flugbegleitern die beiden größten Berufsgruppen die verlangte Umstellung des Betriebsrentensystems grundsätzlich akzeptiert. Lufthansa trägt für die Beschäftigten nicht mehr das Zinsrisiko, sondern zahlt nur noch einen fest definierten Beitrag. Offen ist aber immer noch der Konflikt mit den Piloten, der bislang zu 13 Streiks geführt hat.

Beim Personal ist der Konzern aber weiterhin auf Sparkurs. Mittlerweile sei die Personaldecke so eng, dass dem Unternehmen ein akuter Personalengpass drohe, berichtet der Spiegel. In einer Betriebsvereinbarung zwischen Geschäftsführung, Personalvertretung und der Flugbegleitergewerkschaft Ufo wurde beschlossen, dass Jets am Boden bleiben müssen. 19.000 Bordangestellte sollen dennoch zwischen Ende März und Ende Oktober auf jeweils einen freien Tag im Quartal verzichten, so der Spiegel. Die Beschäftigten könnten den freien Tag entweder im Winter nachholen oder sich diesen auszahlen lassen, berichtet das Magazin. Zugleich soll der Konzern auch die Zahl der maximal möglichen Flugstunden von 87 auf 89 Stunden pro Monat erhöht haben. Mitarbeiter, die noch länger Dienst schieben, sollen einen Zuschlag von 60 Prozent auf ihren Stundenlohn erhalten. Darüber werbe der Konzern bei Beschäftigten in Teilzeit für freiwillige Mehrarbeit. Und wer auf einen vollen Monat Freistellung verzichtet, soll mit einem Bonus von 500 Euro belohnt werden.