Volkswagen hat im vergangenen Jahr mit 4,1 Milliarden Euro den größten Verlust der Firmengeschichte eingefahren. Das teilte der Konzern im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg mit.

Der Konzern stellt wegen der Folgen des Abgasskandals 16,2 Milliarden Euro zurück. Dadurch schließe das Unternehmen das Jahr 2015 mit einem Netto-Verlust von 1,582 Milliarden Euro ab, teilte Volkswagen mit. Bisher hatte das Unternehmen lediglich 6,7 Milliarden Euro zurückgestellt. Im Vorjahr hatte der operative Gewinn noch bei 12,7 Milliarden Euro gelegen.

Außerdem verschiebt der VW-Konzern seinen für Ende April angekündigten Zwischenbericht zur Schuldfrage im Abgasskandal auf unbestimmte Zeit. Die Verzögerung hänge mit "unvertretbaren Risiken" für den Konzern zusammen, weil sich mögliche Strafen gegen das Unternehmen mit einer Veröffentlichung erhöhen könnten.

VW kündigte zudem an, die Vorstandsboni wegen des Abgasskandals um 30 Prozent zu kürzen. Das sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Der VW-Konzern, Europas größter Autobauer, hatte sich am Donnerstag mit den US-Behörden auf Grundzüge eines milliardenschweren Entschädigungsplans verständigt. Dieser sieht in den USA den Rückkauf von bis zu einer halben Million Dieselfahrzeugen mit manipulierten Abgaswerten und eine signifikante Entschädigung der Autobesitzer vor.

Ohne die Kosten für die Abgasaffäre wäre das Ergebnis bei VW operativ aber leicht gestiegen. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent auf 213 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr stellte das Management um Konzernchef Matthias Müller einen Umsatzrückgang um bis zu fünf Prozent und eine operative Rendite zwischen fünf und sechs Prozent in Aussicht.

Auch die Dividende ist erheblich eingebrochen. Der Konzern will für jede seiner stimmrechtslosen Vorzugsaktien nur noch 0,17 Euro ausschütten. Vor einem Jahr war für 2014 noch der Rekordwert von 4,86 Euro geflossen. Für die stimmberechtigten VW-Stammaktien sollen entsprechend 0,11 Euro fließen (zuvor: 4,80 Euro).

VW hatte im September zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Fahrzeugen unterschiedlicher Marken des Konzerns eine illegale Software eingebaut zu haben, die den Schadstoffausstoß im Testbetrieb als zu niedrig ausweist. Weltweit drohen dem Konzern hohe Straf- und Entschädigungszahlungen.

Zudem stehen in den kommenden Wochen und Monaten heftige Auseinandersetzungen zwischen dem Management und den mächtigen Arbeitnehmervertretern an. Bei der ertragsschwachen Kernmarke VW mit Modellen wie dem Golf und dem Passat will Markenchef Herbert Diess den Sparkurs verschärfen. Auf Initiative des Betriebsrats soll es aber nun Verhandlungen über feste Produkt-, Stückzahl- und Investitionszusagen für die nächsten Jahre geben.