Die etwa 120.000 Beschäftigten bei Volkswagen in Westdeutschland erhalten trotz des Diesel-Skandals mehr Lohn. Wie in der übrigen Metall- und Elektrobranche werden die Tarifgehälter in zwei Schritten um 4,8 Prozent erhöht. Darauf verständigten sich die Unterhändler des Wolfsburger Autobauers und der IG Metall.

Die Entgelte der Beschäftigten in den sechs westdeutschen Werken und der VW-Finanztochter steigen zunächst zum 1. September 2016 um 2,8 Prozent. Der zweite Schritt folgt dann zum 1. August 2017 mit einer Erhöhung um zwei Prozent. Außerdem sieht der neue Haustarif einen Rentenbaustein von 200 Euro vor, das Geld wird in die betriebliche Altersvorsorge eingezahlt. In dem bundesweiten Abschluss für die Metall- und Elektrobranche war eine Einmalzahlung von 150 Euro für die Monate April bis Juni in bar vereinbart worden. Der VW-Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 20 Monaten und läuft am 31. Januar 2018 aus.

"Das ist ein akzeptabler Kompromiss, der unsere Wettbewerbsfähigkeit sichert", sagte VW-Verhandlungsführer Martin Rosik. IG-Metall-Bezirkschef Hartmut Meine sagte, die Gespräche seien wegen des Diesel-Skandals besonders schwierig gewesen. Es sei jedoch klar, dass die Beschäftigten nicht für die Abgasmanipulation büßen sollten. "Wir haben diese Krise nicht zu verantworten. Das waren obere Etagen. Warum sollen wir dafür zahlen?"

Die Krise um manipulierte Abgaswerte hatte im vergangenen Jahr den höchsten Verlust in VWs Unternehmensgeschichte verursacht. Im laufenden Jahr wird wegen erwarteter Strafen für Verstöße gegen Umweltrecht in den USA und aufgrund von Schadensersatzforderungen von Diesel-Besitzern und Investoren mit weiteren Belastungen gerechnet. VW-Verhandlungsführer Rosik machte deutlich, dass es wegen der Lasten der Abgasmanipulation eigentlich kein Geld zu verteilen gebe. "Die Situation ist insgesamt sehr angespannt. Wir werden für die Dinge, die vor uns liegen, sehr viel Geld benötigen." Hinzu kämen hohe Investitionen in die Elektromobilität und das autonome Fahren. VW habe durch die Gestaltung der Erhöhungsschritte des Vertrages auch Geld gespart.

Zudem einigten sich die Tarifparteien auf eine Verlängerung der Altersteilzeit bis 2022. Das Angebot soll künftig nach Beschäftigtengruppen differenziert werden. Zum einen sollen besonders qualifizierte Beschäftigte durch spezielle Angebote Anreize erhalten, in Unternehmen zu bleiben. Andererseits kann VW dieses Mittel besser nutzen, wenn der Konzern Personal abbauen will. Insidern zufolge will VW bis Ende 2017 etwa zehn Prozent der Stellen in der Verwaltung abbauen. Auch durch die weitere Steigerung der Produktivität in den Werken könnten Arbeitsplätze wegfallen. Auf der anderen Seite werden durch neue Geschäftsfelder und die Digitalisierung neue Jobs geschaffen.