Volkswagen will sich nach dem Abgas-Skandal grundlegend neu aufstellen. Der Konzern solle für das "neue Zeitalter der Mobilität" umgebaut werden, sagte VW-Chef Matthias Müller bei der Vorstellung der neuen Unternehmensstrategie bis zum Jahr 2025. In den Umbau will VW in den nächsten neun Jahren einen zweistelligen Milliardenbetrag investieren und die Elektromobilität massiv ausbauen. Weitere Schwerpunkte sind das autonome Fahren und neue Mobilitätsdienstleistungen. Sie sollen neben dem klassischen Kerngeschäft die zweite Säule des Konzerns werden.

VW hatte vor Kurzem bereits eine Beteiligung am Fahrdienstvermittler und Uber-Rivalen Gett mit 300 Millionen Dollar verkündet. Dies werde der "Nukleus für den Ausbau des Geschäfts", sagte Müller. "Um diesen Kern werden wir in den nächsten Jahren in rascher Folge weitere Dienste wie Robotaxis, Carsharing oder Transport-on-demand gruppieren." Dabei ziele man auf Privat- wie auf Geschäftskunden. 1.000 weitere Softwarespezialisten will Volkswagen dazu einstellen.

Mit Blick auf den Abgasskandal sagte Müller, die Bereitschaft für Veränderungen im Konzern sei deutlich gewachsen. VW hatte mit einer Software Abgastests bei Millionen von Dieselfahrzeugen manipuliert. Dies hat den Konzern in eine schwere Krise gestürzt.

"Wir waren dabei, uns zu verzetteln"

Müller sagte aber zugleich, um den Umbau des Konzerns zu finanzieren, müsse Volkswagen profitabler werden. "Wir müssen auf allen Stufen der Wertschöpfungskette, in allen Marken und Bereichen effizienter werden." VW liege derzeit bei wesentlichen Kennzahlen zum Teil deutlich hinter den Besten der Branche. "Das kann und das wird so nicht bleiben." Dazu beitragen solle auch ein "Zukunftspakt", über den derzeit zwischen Management und Betriebsrat verhandelt wird. Vor allem die Konzern-Kernmarke VW mit Modellen wie dem Golf und dem Passat ist ertragsschwach.

VW bricht außerdem mit dem bisherigen Ausbau seiner großen Palette an Fahrzeugvariationen. "Die Gesamtzahl unserer heute rund 340 Modellvarianten werden wir reduzieren." Er räumte Wildwuchs bei der Gleichteilestrategie ein, mit der der Konzern versucht, möglichst viele identische Bauteile in unterschiedlichen Modellen einzusetzen. "Die Baukästen sind der richtige Weg. Aber wir waren dabei, uns zu verzetteln", sagte Müller. Künftig werde VW statt wie bisher mit zwölf Varianten nur mit vier großen Baukästen arbeiten.