Maurice Brenninkmeijer, Oberhaupt des verschwiegenen C&A-Clans, eine der reichsten Unternehmer-Familien in Europa, hat sich erstmals öffentlich zur Geschichte seiner Familie im Dritten Reich geäußert. Die neuen Erkenntnisse, die nun wissenschaftlich aufgearbeitet wurden, seien "verstörend und geradezu schockierend für meine Familie", sagte Brenninkmeijer der ZEIT . 

Die Familie habe ihre Geschichte im Dritten Reich von dem Historiker Mark Spoerer, Professor an der Universität Regensburg, wissenschaftlich aufarbeiten lassen. Die Dokumentation erscheint dieser Tage als Buch. Darin schildert Spoerer unter anderem, wie der deutsche Zweig der Familie Brenninkmeijer an Arisierungen teilnahm, Arbeiten von Juden erledigen ließ, die im Ghetto von Łódź gefangen gehalten wurden, und auf Zwangsarbeiterinnen in Berlin zurückgriff. 

Über die Motive seiner Vorfahren sagte Maurice Brenninkmeijer, der Chairman der Familienholding Cofra: "Ich meine, es war Opportunismus. Ich vermute, dass meine Verwandten ausschließlich auf das Geschäft fokussiert waren, und dabei haben sie unsere Werte aus den Augen verloren und ethisch falsche Entscheidungen getroffen. Einige zeugen von so viel Herzlosigkeit! Ich wünschte, es wäre anders gewesen." Zugleich habe er "keine Veranlassung" seine Vorfahren als überzeugte Nazis zu bezeichnen. "Auch in dem Buch steht nicht, dass auch nur ein Familienmitglied irgendeine Sympathie für die Nazi-Ideologie geäußert hat." 

Er persönlich habe "am emotionalsten auf die Arisierungen reagiert", sagt Brenninkmeijer. "Die Geschichten über das Schicksal einzelner Familien finde ich erschütternd. Aber die Erkenntnisse über die russischen Zwangsarbeiterinnen lassen ebenso niemanden kalt. Selbst wenn nicht ganz klar ist, wer zu welcher Zeit was zu verantworten hatte. Neu war für mich auch unsere Verbindung zum Ghetto in Łódź. Auch das ist schmerzlich." 

Auslöser für die Untersuchung der Familiengeschichte sei die Ausstellung "100 Jahre C&A in Deutschland" im Jahr 2011 gewesen. Damals seien Informationen aufgetaucht, "die unsere Familie in der NS-Zeit in einem anderen Licht erscheinen ließen, als wir es zuvor wahrgenommen hatten. Also wollten wir sichergehen, dass wir unsere Familiengeschichte wirklich kennen", sagte Maurice Brenninkmeijer. 

Frauenanteil in Führungsspitze wird nur langsam wachsen

In dem Interview mit der ZEIT geht Brenninkmeijer auch auf die Rolle von Frauen im familieneigenen Unternehmen ein. So durfte bis vor wenigen Jahren keine Frau aus der Familie Anteile am Unternehmen besitzen oder eine Führungsposition übernehmen. "Es wurde enorm viel Talent verschwendet, indem wir den Frauen nicht viel früher eine Karriere in der Firma ermöglicht haben", sagte er.

Aufgrund der Ausbildungsregeln der Familie werde der Frauenanteil im Eigentümerkreis auch in Zukunft nur langsam wachsen. "Der einzige Weg, Anteilseigner zu werden, ist, nach der Schule mit dem Trainingsprogramm zu beginnen." Denn Anteile am Unternehmen würden nicht vererbt.

Der Holding-Chef führte sein eigenes Beispiel an: "Wenn ich zurücktrete, werde ich nach einer gewissen Zeit meine Anteile verkaufen. Wenn meine Kinder ins Geschäft eintreten wollen, müssen auch sie sich fürs Trainingsprogramm bewerben, angenommen werden und darin wachsen. Ihre Erfolge und ihre Entwicklung basieren auf ihrem Vor- und nicht auf dem Nachnamen. Und nur wenn sie dann aufgrund ihrer individuellen Verdienste und Wertvorstellungen in eine Führungsposition befördert werden, werden sie eingeladen in die Gruppe der Eigner und können ihrerseits Anteile kaufen."

Ungefähr die Hälfte der Trainees seien Frauen. Das zeige, "wie attraktiv diese Karriere für Frauen ist". Zugleich sei "die Zahl der Familientrainees etwas gestiegen. Aber es sind immer noch recht wenige." 

Über den Druck auf die nachfolgende Generation, ins Unternehmen einzutreten und sich zu beweisen, sagt Brenninkmeijer: "Familienmitglieder, die in unserem Trainingsprogramm sind, werden beobachtet. Wir unterstützen sie beim Studium, und sie wollen bald in unser Geschäft einsteigen. Existiert da ein Druck? Natürlich. Ich denke, in diesem Sinne sind wir eine ziemlich normale Familie."