Vier Jahre nach dem Brand mit 260 Toten in einer pakistanischen Textilfabrik ist der Weg frei für eine Schadenersatzklage gegen das deutsche Textilunternehmen KiK. Vier Pakistanis verlangen in dem Zivilverfahren jeweils 30.000 Euro Schadenersatz. Das Landgericht Dortmund hat nun bekannt gegeben, dass den Klägern Prozesskostenhilfe gewährt werde.

Nach Auskunft des Deutschen Instituts für Menschenrechte ist es die erste zivilrechtliche Klage dieser Art in Deutschland. Als weiteren Schritt will das Gericht nun ein Gutachten zur Prüfung der Rechtslage in Auftrag geben. Anschließend soll über eine mündliche Verhandlung entschieden werden.

Die Kläger werfen KiK vor, für die "katastrophalen Brandschutzvorkehrungen" im Fabrikgebäude mitverantwortlich zu sein. Die Zahl der Toten sei damals so hoch gewesen, weil das Gebäude vergitterte Fenster hatte und die brennende Fabrik für viele Arbeiter so zur tödlichen Falle wurde.

KiK hatte nach dem Brand im September 2012 eine Soforthilfe gewährt. Eine Haftung sowohl nach deutschem als auch pakistanischem Recht wies das Unternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Bönen (Kreis Unna) jedoch zurück. Das Feuer in der Fabrik mit dem Namen Ali Enterprises sei die Folge eines gezielten und heimtückischen Brandanschlages gewesen. KiK begrüße es aber, wenn der hochkomplexe Vorgang einer grundlegenden juristischen Prüfung unterzogen werde. Die Textilfabrik in Karatschi hatte vorwiegend im Auftrag von KiK produziert.

Immer mehr Arbeiter organisieren sich

Das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) forderte unterdessen Schutzmaßnahmen für Arbeiter im Ausland: "Die Bundesregierung muss endlich einklagbare Sorgfaltspflichten für deutsche Unternehmen im Ausland einführen", sagte ECCHR-Generalsekretär Wolfgang Kaleck. Der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte sei die Gelegenheit dazu.

Thomas Seibert von der Hilfsorganisation Medico International sagte: "Der Druck aus dem globalen Süden nimmt zu, immer mehr ArbeiterInnen organisieren sich und sind bereit, für ihre Rechte und gerechte Arbeitsbedingungen vor Gericht zu ziehen, auch in Deutschland."

Bei Unglücken in Textilfabriken in asiatischen Ländern war es in den vergangenen Jahren zu mehreren Unglücken gekommen. Beim Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch im April 2013 wurden mehr als 1.100 Menschen getötet.