Es ist die größte Übernahme, die ein deutsches Unternehmen je getätigt hat: Der deutsche Chemiekonzern Bayer kauft den US-Saatguthersteller Monsanto für 66 Milliarden Dollar (58,8 Milliarden Euro). Das entspreche 128 Dollar je Aktie, teilte Bayer mit. Das bedeutet einen Aufschlag von 44 Prozent auf den Schlusskurs von Monsanto am 9. Mai, dem Tag, bevor die beabsichtigte Übernahme bekannt gegeben wurde.

Die Verhandlungen hatten sich über Monate hingezogen. Das erste Angebot, das Bayer im Mai abgab, lag bei 122 Dollar. Anfang September stellte der Konzern 127,50 Dollar je Aktie in Aussicht. Das machte sich auch an der Börse bemerkbar: Die Bayer-Aktien legten um mehr als zwei Prozent auf 95,40 Euro, die in Frankfurt gehandelten Monsanto-Aktien knapp drei Prozent zu.

Durch den Kauf wird Bayer zum weltweit führenden Anbieter für Saatgut und Pflanzenschutzmittel. Zwar ist der Kauf laut Marktexperten für Bayer strategisch sinnvoll, weil sich die beiden Unternehmen ergänzen. Monsanto steht in Europa aber seit Jahren wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Nicht zuletzt, weil der Konzern den Unkrautvernichter Glyphosat vertreibt, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Der Übernahme müssen die Kartellbehörden allerdings noch zustimmen, auch die Monsanto-Aktionäre müssen sich bereit erklären, ihre Aktien zu dem gebotenen Preis zu verkaufen. Das gilt aber als sehr wahrscheinlich. Auch bei den Kartellämtern dürfte das Vorhaben kaum auf Widerstand stoßen. Monsanto ist vor allem in Amerika stark, Bayer in Europa und Asien. Ein Monopol droht dort daher kaum. Nur bei einzelnen Agrargütern dürften wegen Überlappungen die Wettbewerbshüter Anpassungen verlangen, etwa bei Mais.

Sorge um "bislang ungekannte Marktmacht"

Umwelt- und Naturschutzverbände kritisieren die Übernahme heftig. "Sollten die Kartellbehörden die Fusion durchwinken, würde der neu entstehende Megakonzern eine marktbeherrschende Stellung im Bereich Saatgut, Gentechnik und Pestizide bekommen", sagte Heike Moldenhauer, Gentechnikexpertin beim BUND. Sie fürchtet, dass der Konzern künftig diktieren wolle, was Landwirte anbauen und welche Produkte auf dem Markt verfügbar sind. Zudem würde die Umwelt durch noch mehr Monokulturen und Gentechpflanzen leiden.

Auch Greenpeace sprach von einer "schlechten Nachricht für nachhaltige Landwirte, Verbraucher und die Umwelt" und von einer "bislang ungekannten Marktmacht" für Bayer. "Die Lobbymacht des neuen Konzerns wird wachsen", sagte Greenpeace-Experte Dirk Zimmermann. "Die Bundesregierung muss jetzt stark bleiben und verantwortungsvolle Entscheidungen etwa gegen bienengefährdende Pestizide oder den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat treffen."

Bayer-Chef Werner Baumann – noch nicht mal ein halbes Jahr im Amt – sieht angesichts der wachsenden Weltbevölkerung enorme Wachstumschancen im Agrarbereich, schließlich müssten bis 2050 drei Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden. Außerdem müsse die Menschheit mit den Folgen der Klimaerwärmung auf die Landwirtschaft zurechtkommen. Auch hier könnten Bayer und Monsanto zusammen wegweisende Antworten geben, so Baumann. Er ist zudem überzeugt, die Reputationsprobleme von Monsanto in den Griff bekommen zu können.

Experten sehen im Wesentlichen zwei große Herausforderungen. Zum einen die unterschiedlichen Firmenkulturen. Das Beispiel DaimlerChrysler hat gezeigt, dass auch mit Vorschusslorbeeren versehene transatlantische Firmenbündnisse scheitern können. Zum anderen ist der hohe Kaufpreis nur zu rechtfertigen, wenn der zuletzt schwächelnde Markt für Saatgut und Agrarchemikalien in den nächsten Jahren einen kräftigen Aufschwung erlebt. Doch ob dies wirklich zu erwarten ist, darüber sind Branchenkenner durchaus unterschiedlicher Meinung. Zudem wird die Übernahme die Verschuldung von Bayer zumindest kurzfristig kräftig erhöhen. Angesichts der globalen Niedrigzinsen und eines erwarteten robusten Barmittelzuflusses aus dem laufenden Geschäft erscheint das vielen Experten aber tragbar.

Monsanto war im Sommer mit dem Versuch gescheitert, beim Pflanzenschutzspezialisten Syngenta einzusteigen. Das Schweizer Unternehmen ging für 43 Milliarden Dollar an den chinesischen Staatskonzern ChemChina. Nach der angekündigten Fusion der US-Chemiekonzerne DuPont und Dow Chemical, die das Agrarchemiegeschäft als eigenständiges Unternehmen planen, stand Monsanto zusätzlich unter Druck. Zuletzt hatte der Konzern die Gewinnprognose für dieses Jahr gesenkt und Stellen reduziert.