Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat die neue Personalpolitik der Billigairline Ryanair heftig kritisiert. Die von der Airline vorgeschlagenen Arbeitsverträge seien "nichts anderes als modernes Sklaventum", sagte VC-Präsident Ilja Schulz. In einer Mitteilung der Gewerkschaft wird den betroffenen Ryanair-Piloten geraten, diese Verträge nicht zu unterschreiben. Laut VC sind sie nicht mit deutschem und europäischem Recht vereinbar. Ryanair wurde erneut aufgefordert, die Piloten direkt anzustellen.

Bei den neuen Verträgen, die den Piloten angeboten werden, sei wieder eine Vermittlungsfirma zwischengeschaltet, heißt es in der Mitteilung. Mit dieser Vermittlungsfirma sollen laut Vereinigung Cockpit bestehende Rechts- und Sozialvorschriften umgangen werden. So müssten die Piloten nach einer Krankheit die entfallene Arbeitszeit nacharbeiten, um nicht auf Gehalt zu verzichten. Sie könnten nicht absehen, was sie am Ende des Tages verdienten. Ryanair behalte sich zudem vor, jederzeit Zwangsurlaub ohne Bezahlung anzuordnen.

Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung handelt es sich bei der Vermittlungsfirma um BlueSky Resources, die im August mit einem Sitz in Dublin gegründet wurden. Die Medien berufen sich dabei auf einen Mustervertrag von BlueSky, der ihnen vorliegt. Der Vertrag ist demnach zunächst auf fünf Jahre befristet, mit einer Option auf Verlängerung. Wenn Ryanair jedoch bei BlueSky aussteigt, wird der Vertrag nichtig, schreibt der Rechercheverbund.

In einem Informationsschreiben zum Vertrag heißt es, die Piloten sollen in Deutschland nur ihre Sozialabgaben zahlen, die Steuern sollen in Irland beglichen werden. In Irland sind die Steuern deutlich geringer als in Deutschland. BlueSky schreibt laut Rechercheverbund ausdrücklich: Diese Konstruktion stünde im Einklang mit deutschen Steuerbehörden.

Bisher sind viele der Ryanair-Piloten nicht fest angestellt. Der Zoll hatte Anfang Juli Wohnungen und Diensträume von Piloten an sechs deutschen Ryanair-Standorten sowie zwei britische Personaldienstleister durchsucht. Ermittelt wird der Staatsanwaltschaft Koblenz zufolge wegen des Verdachts der Scheinselbstständigkeit sowie der Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben. Ryanair hatte damals erklärt, mit den deutschen Behörden zusammenzuarbeiten.