Das Spitzentreffen zur Zukunft der Lebensmittelkette Kaiser's Tengelmann brachte keine Ergebnisse hervor. Am Donnerstagabend trafen sich die Chefs der Handelsketten Edeka, Kaiser's Tengelmann und Rewe mit Vertretern der Gewerkschaft, um über die Zukunft der rund 15.000 Arbeitsplätze zu beraten. Nach drei Stunden vertagte sich die Runde. Das Gespräch sei konstruktiv gewesen. Man sei sich einig, "die Gespräche zeitnah fortzuführen". Ein Termin oder Ort wurde dafür aber nicht genannt, hieß es in einer knappen Mitteilung nach dem Gipfel. Ziel sei es, "eine für alle Beteiligten und die Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann tragfähige, gemeinsame Lösung zu finden." Konkrete Inhalte des Treffens drangen nicht nach außen. Am Freitag könnte der Tengelmann-Aufsichtsrat allerdings bereits die Zerschlagung des Unternehmens besiegeln.

Der Plan von Kaiser's-Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub, die Handelskette komplett an Edeka zu verkaufen, wird damit immer unwahrscheinlicher. Rewe-Chef Alain Caparros hatte dieses Vorhaben vor Gericht gestoppt. Caparros ist der Auffassung, die 400 Standorte von Tengelmann sollten unter den Konkurrenten aufgeteilt werden. Die Arbeitsplätze könnten trotzdem erhalten werden und die wettbewerbsrechtlichen Bedenken wären vom Tisch. 

"Wir können die Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann sichern, indem wir gemeinsam den Weg freimachen für eine faire Aufteilung der Märkte", sagte Caparros wenige Stunden vor dem Krisengipfel. Er sei bereit, für alle von Rewe übernommenen Märkte, die in der Ministererlaubnis formulierten Auflagen zur Sicherung der Arbeitsplätze, zur betrieblichen Mitbestimmung und tarifvertraglichen Bezahlung der Beschäftigen zu akzeptieren, betonte der Rewe-Chef. "Eine solche Lösung kann innerhalb weniger Wochen realisiert werden, weil die wettbewerbsrechtlich machbaren Lösungen bereits Anfang des Jahres vom Bundeskartellamt geprüft wurden." 

Auch andere Konzerne wie Tegut oder Norma äußerten erneut Interesse an Kaiser's-Filialen. "Eine Übernahme der Tengelmann-Filialen im Raum München ist für Tegut eine Option, die wir ernsthaft prüfen würden", sagte eine Tegut-Sprecherin der Wirtschaftswoche

Der Betriebsrat von Kaiser's Tengelmann fordert hingegen den Erhalt der hoch defizitären Supermarktkette. "Statt Zerschlagungsszenarien brauchen wir ein Fortführungskonzept, das trägt, bis die Gerichte entschieden haben, oder es eine Einigung aller Beteiligten gibt", sagte Manfred Schick, Aufsichtsratsmitglied und Betriebsratsvorsitzender der Region München/Oberbayern, der Wirtschaftswoche. Für die schwierige Situation des Unternehmens macht Schick auch Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub verantwortlich: "Klar trägt der Eigentümer Verantwortung für die Lage."

Branchenprimus Edeka sowie Kaiser's Tengelmann hatten die Fusion vor etwa zwei Jahren beschlossen. Das Bundeskartellamt legte wegen Wettbewerbsbedenken sein Veto ein, das Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) über eine sogenannte Ministererlaubnis aushebelte. Unter anderem Rewe hatte beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Erlaubnis eingelegt und vorläufig recht bekommen. Damit liegt der Deal auf Eis und droht wegen langwieriger juristischer Auseinandersetzungen zu platzen. Haub hat wegen des langen Tauziehens um die Übernahme mit einem Aus für Kaiser's Tengelmann gedroht. Die Kette verbucht hohe Verluste, Personal geht von Bord, Vermieter verlängern Verträge nicht.