Vor dem Krisentreffen zur angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann gibt es wenig Hoffnung auf einen Durchbruch. Das berichten mehrere mit dem Verfahren Beteiligte. Vor allem das Verhältnis der Chefs von Tengelmann und Rewe, Karl-Erivan Haub und Alain Caparros, gilt als zerrüttet.

Gegen 20 Uhr wollen die Supermarkt-Chefs in einem Frankfurter Hotel zusammenkommen, um über die Zukunft der Supermarktkette zu beraten. Mit am Tisch sollen ver.di-Chef Frank Bsirske und die bei der Gewerkschaft für den Handel zuständige Stefanie Nutzenberger sitzen. Die Gewerkschaft hatte den Branchengipfel vermittelt, sie fürchtet um die Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann. "Wir dürfen keine Chance ungenutzt lassen, um eine Zerschlagung zu verhindern", hatte Bsirske gesagt.

Der Tengelmann-Chef setzt trotz des angeschlagenen Verhältnisses auf Zugeständnisse von Rewe-Chef Caparros. Dem Vernehmen nach hofft Haub, dass der Rewe-Chef seine Klage gegen die Ministererlaubnis zur Fusion von Edeka und Kaiser's Tengelmann zurückzieht. Damit könnte es doch noch eine Übernahme durch Edeka geben. Doch warum sollte der Rewe-Chef das tun? Das Unternehmen müsste schon massive Zugeständnisse dafür erhalten. 

Caparros selbst erklärte, er wolle eine "faire Aufteilung" der Kaiser's-Tengelmann-Märkte. Damit könnten auch Arbeitsplätze gesichert werden. Haub hatte dagegen eine komplette Übergabe der Märkte an Edeka vereinbart.

8.000 Arbeitsplätze in Gefahr

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte eindringlich an die Beteiligten appelliert, eine Lösung zu finden. Andernfalls seien 8.000 der etwa 15.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Denn der Tengelmann-Chef droht angesichts laufender Verluste die Geduld zu verlieren. Für Freitag hat er eine Aufsichtsratssitzung für das Unternehmen anberaumt. Dabei könnte er eine Zerschlagung verkünden, wenn das Krisentreffen keine entscheidende Wende bringt.

Branchenführer Edeka und Tengelmann-Chef Haub hatten die Fusionspläne vor knapp zwei Jahren besiegelt – Konkurrent Rewe hatte den Kürzeren gezogen. Doch die Umsetzung der Übernahme steht auf der Kippe. Das Kartellamt legte Veto dagegen ein, im März hebelte Gabriel dieses per Ministererlaubnis aus. Edeka-Konkurrent Rewe klagte ebenso wie die Konkurrenten Norma und Markant gegen diese Ministererlaubnis. Das Oberlandesgericht Düsseldorf legte sie in einem von Rewe und Markant angestoßenen Eilverfahren auf Eis.

Edeka könnte 170 der 446 Filialen übernehmen

Edeka, Tengelmann und Gabriel gehen nun vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen die Gerichtsentscheidung vor. Ein weiterer jahrelanger Rechtsstreit könnte folgen. Mit einem Rückzug der Klagen gegen die Ministererlaubnis könnte dieser vermieden werden. Doch Norma – das Unternehmen sitzt nicht mit am Verhandlungstisch – teilte mit, das Unternehmen halte an seiner Beschwerde gegen die Ministererlaubnis fest. Norma sehe "Stand heute keine Veranlassung, unsere rechtliche Position zu verändern", hieß es von einer Sprecherin. Ein Markant-Sprecher äußerte sich nicht.

Ohne die Ministererlaubnis wird die Übergabe von Kaiser's Tengelmann an Edeka nicht gelingen. Dann könnte die Kette, die Ende 2015 noch 446 Filialen in Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen hatte, aufgeteilt werden. Edeka könnte es dann erneut versuchen. So hatte das Kartellamt erklärt, Edeka könne bis zu 170 Filialen übernehmen. Auch Rewe sowie andere Konkurrenten kämen dann wohl zum Zuge. Kaiser's Tengelmann wäre dann allerdings Geschichte. Mit dem Slogan "Immer eine gute Idee" wirbt die Kette. Diese können die Protagonisten in Frankfurt gut gebrauchen.