Eine Intervention von US-Geheimdiensten soll die Übernahme des Spezialmaschinenherstellers Aixtron gestoppt haben. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf deutsche Geheimdienstkreise. Dem Bericht zufolge hatten US-Dienste im Bundeskanzleramt interveniert, um die Übernahme zu verhindern. Die USA befürchten demnach, die Mikrochips von Aixtron könnten bei Nuklearprogrammen zum Einsatz kommen.

Das Bundeswirtschaftsministerium zog am Freitag eine Unbedenklichkeitserklärung gegen einen Verkauf von Aixtron an den chinesischen Investor Fujian Grand Chip (FGC) zurück. "Zu Art oder Herkunft der Informationen kann ich keine Angaben machen", sagte eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Die Sprecherin gab aber an, dass auch Informationen von ausländischen Geheimdiensten eine Rolle bei der Bewertung gespielt haben.

Zur Dauer des erneuten Prüfverfahrens wollte die Sprecherin nichts sagen: "Solche Prüfverfahren dauern so lange, wie sie dauern." Man habe noch nicht alle nötigen Informationen. Danach habe man "einen Monat plus zwei Monate" Zeit zu prüfen.

Nach Darstellung des chinesischen Käufers stehen Sorgen um sensible Verteidigungstechnologie der Übernahme im Weg. Fujian Grand Chip teilte mit, das Wirtschaftsministerium in Berlin habe aus diesem Grund die Unbedenklichkeitsbescheinigung für den Deal zurückgezogen. FGC hält das Übernahmeangebot dennoch aufrecht und will die Ergebnisse der am Freitag ausgelaufenen Annahmefrist in Kürze mitteilen.

Investor hält Angebot aufrecht

Das deutsche Unternehmen selbst wurde von der Bundesregierung noch nicht über weitergehende Prüfungen informiert, sagte ein Sprecher. "Bis dato sind an Aixtron keine konkreten Fragen des Bundesministeriums für Wirtschaft im Rahmen der vertieften Prüfung herangetragen worden." Die Befürchtungen der Amerikaner seien unbegründet.

Der Sprecher sagte, Aixtron produziere keine Chips oder Bauteile, sondern Anlagen für die Halbleiterindustrie. Seit der Unternehmensgründung 1983 habe Aixtron mehr als 3.000 dieser Anlagen in die ganze Welt verkauft, sagte der Sprecher weiter. Bei keinem der Verkäufe hätten die Behörden die Zustimmung verweigert. Die Maschinen wurden unter anderem nach Südkorea, Taiwan und China exportiert.

Die Chinesen hatten Ende Juli ein 670 Millionen Euro schweres Kaufangebot für Aixtron abgegeben. Sechs Euro je Aktie sollen die Anleger erhalten. Zuletzt hatte es noch so ausgesehen, als wäre der Investor fast am Ziel. Bis Ende vergangener Woche waren den Chinesen eigenen Angaben zufolge 65 Prozent der Anteile angeboten worden.

Aixtron stellt Produktionsmaschinen für die Chipindustrie her, hatte zuletzt aber unter Preisdruck und hohen Entwicklungskosten zu leiden und steckt daher in den roten Zahlen. Das Management hatte die Annahme der Offerte empfohlen.