Im Streit um den Verkauf der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann gibt es eine neue Wendung: Der Süddeutschen Zeitung liegt ein internes Protokoll vor, das die Aussagen von Rewe-Chef Alain Caparros zu einer Aufteilung der Filialen unter mehreren Interessenten widerlegen soll. 

Caparros hatte sich im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wütend darüber gezeigt, wie er in den Verhandlungen um die Zerschlagung von Kaiser's Tengelmann als "Buhmann" dargestellt würde und nannte die Verhandlungen eine "Schweinerei". Er fühle sich verantwortlich gemacht für den möglichen Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen.

Die Verhandlungen liefen jedoch laut Süddeutscher Zeitung anders ab, als der Rewe-Chef sie dargestellt hatte. Es geht um ein Treffen am 6. Oktober, bei dem sich die Chefs der Handelsketten von Kaiser's Tengelmann, Rewe und Edeka mit der Gewerkschaft ver.di zusammengesetzt hatten, um die Aufteilung der Kaiser's-Tengelmann-Märkte zu diskutieren.

Wie Caparros es in dem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung dargestellt hatte, kam nach einer Einigung, die Märkte geografisch auf Rewe und Edeka aufzuteilen, "plötzlich nichts mehr" von Kaiser's-Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub. Rewe habe sich "sofort dransetzen und die Details aushandeln" wollen. Haub habe jedoch daraufhin ohne Absprachen die Zerschlagung der Handelskette bekannt gegeben.

Wie das interne Protokoll einer Telefonkonferenz vom 12. Oktober aber zeige, hatten Rewe-Mitarbeiter selbst daran gezweifelt, ob die geografische Aufteilung der Märkte realisierbar ist, heißt es in dem SZ-Bericht: "Von Rewe wurde sodann ausgeführt, dass sich an der Einschätzung zu den kartellrechtlichen Problemen seit dem Treffen am Montag nichts verändert hat. Es ist weiterhin sehr fraglich, ob eine Weitergabe (insbesondere) der beiden Regionen Berlin und Nordrhein von Edeka an Rewe nach Vollzug des Kaufvertrages zwischen Edeka und Tengelmann sich noch im Rahmen der Ministererlaubnis bewegt."

Hinzu kommt, dass Caparros am Dienstag, den 11. Oktober, selbst per E-Mail eine "Elefantenrunde" absagte, die für Samstag geplant war. Er schlug stattdessen einen Schlichter vor, der "Kompetenz sowie Autorität" habe und nannte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Diesem hatte er vorher in einem Interview mit dem Spiegel Inkompetenz und Befangenheit vorgeworfen.

Zu dem Bericht in der Süddeutschen Zeitung teilte ein Sprecher der Rewe Group mit: "Der Süddeutschen Zeitung wurden offensichtlich vertrauliche und vor allem veraltete Unterlagen überlassen, auf die sich der Bericht stützt." Entscheidend seien vielmehr andere Passagen, die vom Verhandlungsteam der Rewe Group vorgenommen und Edeka sowie Kaiser’s Tengelmann bereits am vergangenem Donnerstag, 13. Oktober um 20.36 Uhr übermittelt worden seien. Die Rewe Group habe in allen Gesprächen darauf hingewiesen, dass jede Art von Einigung eng mit dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundeskartellamt abgestimmt werden müsse.

Für diesen Montag hat Kaiser's-Tengelmann-Chef Haub angekündigt, die Zerschlagung der Supermarktkette einzuleiten. Interessenten werden aufgefordert, für jede einzelne der über 400 Filialen zu bieten. Am Wochenende hatte es keine Signale für weitere Gespräche der Handelskonzerne Edeka, Rewe, Markant und Norma gegeben, die das noch verhindern könnten. Haub will Edeka den Vorzug im Verkauf der Filialen geben. "Wenn Edeka Märkte von Kaiser's Tengelmann übernehmen will, die kartellrechtlich unproblematisch sind, dann hat Edeka für mich den Vorrang", sagte Haub dem Handelsblatt.

In einer früheren Version des Artikels war die Erwiderung der Rewe Group auf den Bericht der Süddeutschen Zeitung noch nicht eingeflossen. Wir bitten um Verständnis für die nachträgliche Bearbeitung.