Der Vorstandsvorsitzende der Rewe Group, Alain Caparros, hat die Verhandlungen zwischen Edeka und Kaiser's Tengelmann als Schweinerei bezeichnet. Mit klaren Worten kritisierte er das Vorgehen der Konkurrenz im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. "Mir kann man es nicht anlasten, was die Konkurrenz verbockt", sagte Caparros und wies die Vorwürfe zurück, schuld an dem möglichen Verlust der Arbeitsplätze durch die geplatzte Fusion von Edeka und Kaiser's Tengelmann zu sein.

Die Kritik an seiner Beschwerde, die er gegen die Ministererlaubnis von Sigmar Gabriel eingelegt hatte, wies Caparros zurück. Kaiser's Tengelmann und Edeka hätten "alles falsch gemacht, was man falsch machen kann", sagte er der Zeitung. Er kritisierte an der Konkurrenz, dass sie die Institutionen des Rechtsstaats missachte, Gabriel "in Geiselhaft genommen" und ihn zu der Ministererlaubnis, "die fehlerhaft war", gedrängt habe.

Die Lebensmittelketten Rewe, Norma und Markant hatten Gabriels Ministererlaubnis zur Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka vor Gericht gestoppt. Das Kartellamt und die Monopolkommission hatten die Fusion von Edeka und Kaiser's Tengelmann untersagt, weil dadurch Edeka einen zu großen Anteil von Supermärkten in Deutschland inne hätte. Der Konzern holte daraufhin eine Ministererlaubnis von Wirtschaftsminister Gabriel ein.

Caparros sagte, er müsse nun als Buhmann herhalten. Und: "Was da abläuft ist eine Schweinerei." Der Vorstandsvorsitzende räumte im Interview ein, dass die Rewe Group selbst daran interessiert sei, einen Teil der Märkte von Kaiser's Tengelmann zu übernehmen. Anfang Oktober hatte es ein Vermittlungsgespräch zwischen den drei großen Ketten gegeben, in dem sich eine Aufteilung der Märkte von  Kaiser's Tengelmann angedeutet hatte.

Caparros gab dem Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub die Schuld dafür, dass die Verhandlungen scheiterten. Gleichzeitig machte er klar, dass es hier darum gehe, wer in Zukunft den Markt anführen könne. Die Märkte seien im Grunde die letzte größere Übernahme, die im Land möglich sei. "Wer jetzt nicht zum Zuge kommt, der ist auf viele Jahre hin abgehängt", sagte Caparros. 

Haub wiederum gab dem Rewe-Chef die Verantwortung für die verfahrene Situation. Der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung sagte er, "Herr Caparros hat von Anfang an alles unternommen, um den Deal zu zerstören". Sollte es zu keiner Einigung zwischen den Rivalen kommen, dürfte Kaiser's Tengelmann zerschlagen und die Filialen einzeln verkauft werden. Tengelmann-Chef Haub spricht von bis zu 8.000 Arbeitsplätzen, die dann verloren gehen könnten.