Die deutsche Luftfahrtbranche reagiert verärgert auf die Ankündigung des irischen Billigfliegers Ryanair, ab März auch vom größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main abzuheben. Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) kritisierte, dass dem Billigkonkurrenten "mit ungleichen Vorzugsbedingungen der rote Teppich ausgerollt" werde. Wenn der Flughafenbetreiber Fraport dem Unternehmen günstigere Konditionen biete, müssten diese für alle gelten.

Der BDF, dem neben der Lufthansa beispielsweise Airberlin, Condor, Tuifly und Germania angehören, wirft Fraport vor, Ryanair bei den Flughafenentgelten Rabatte einzuräumen und damit den Wettbewerb zu verzerren. Es sei unverständlich, dass eine Airline gezielt gefördert werde, "die sich bislang weder an der Finanzierung des Frankfurter Flughafens noch an freiwilligen Lärmpausen beteiligt hat", kritisierte BDF-Geschäftsführer Michael Engel.

Fraport bestätigte, dass die neue Entgeltordnung für neue Fluggesellschaften und Routen "Anreize" vorsehe. Beim grün geführten hessischen Verkehrsministerium wurde ein neues System zur Genehmigung eingereicht. In den Genuss der Gebührenanreize sollen Airlines kommen, wenn sie Flugverbindungen zu neuen Zielen einführen. Zudem soll es Anreize für Gesellschaften wie Ryanair geben, die gänzlich neu antreten. Das Ministerium hat eine Prüfung bis deutlich vor Jahresende versprochen.

Ein Sprecher des Flughafenbetreibers sagte, Fraport rechne mit der Zustimmung "in den nächsten Wochen". Dann würden die Details vorgestellt. Die neue Entgeltordnung sei aber "nicht diskriminierend", sagte er.

Ryanair will täglich Spanien und Portugal ansteuern

Ryanair will ab dem Sommerflugplan 2017 in Frankfurt am Main zwei Flugzeuge stationieren und täglich die spanischen Städte Alicante, Palma de Mallorca und Málaga sowie Faro in Portugal ansteuern. Damit greift die Billigairline einheimische Ferienfluganbieter wie die Lufthansa direkt an.

Die Iren erwarten zunächst 400.000 Passagiere pro Jahr. Zum nächsten Winter soll das Flugangebot aber deutlich wachsen. So sei Ryanair auch in Berlin nur mit einer halben Million Fluggästen gestartet, sagte Marketingchef David O'Brien. Nach drei Jahren seien es schon 5,4 Millionen gewesen. "Ich wüsste nicht, warum das nicht auch in Frankfurt so kommen soll." Auf das Ryanair-Engagement am Hunsrück-Flughafen Hahn soll die neue Basis in Frankfurt keinen Einfluss haben. Dort rechnet Ryanair mit 2,2 Millionen Passagieren.

Mehr Billigangebote in Frankfurt

Laut Fraport-Chef Stefan Schulte liegt der Anteil der Billigflugpassagiere in Frankfurt bisher lediglich bei vier Prozent. Wenn die Kunden aber immer mehr Billigangebote buchen wollen, müsse sich der Flughafen darauf einrichten. So stellte er den Iren in Aussicht, dass ihre Flugzeuge nach der Landung in Frankfurt ähnlich schnell wieder abheben können wie etwa am Hunsrück-Airport Hahn.

Zu Beginn sollen die Ryanair-Jets auf dem Vorfeld vor dem Terminal 2 parken. Auch das könnte sich noch mal ändern, wenn der Bau des dritten Terminals abgeschlossen sei.

Lufthansa freut sich über niedrigere Gebühren

Während Condor-Chef Ralf Teckentrup gegen das beantragte "wettbewerbsverzerrende Subventionierungsmodell" der Fraport wetterte, freute sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr über die Aussicht auf deutliche Einsparungen. Lufthansa werde in Frankfurt nicht mehr bezahlen als Ryanair, sagte er. So könne sein Unternehmen 200 bis 300 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Dafür sei er Ryanair-Chef Michael O'Leary sehr dankbar. "So sehr können uns die Ryanair-Flugzeuge gar nicht ärgern, wie uns die sinkenden Gebühren helfen werden", sagte Spohr. Er könne sich nicht vorstellen, dass das Ministerium unterschiedliche Gebühren genehmigen werde. Sonst werde Lufthansa nur die niedrigeren Ryanair-Gebühren überweisen.

Spohr schloss außerdem nicht aus, dass die Lufthansa als Reaktion künftig ihre Billigmarke Eurowings auch in Frankfurt an den Start schicken wird. Das werde aber nicht vor 2018 der Fall sein. Eigentlich wollte die Lufthansa ihre Drehkreuze Frankfurt und München den klassischen Netzwerkmarken Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines vorbehalten. Allerdings soll Eurowings im kommenden Jahr bereits in München antreten, nachdem dort Easyjet und Transavia die Lufthansa mit Billigflügen herausfordern.