Tarifkonflikt - Streik bei der Lufthansa weiterhin ergebnislos Die Vereinigung Cockpit und die Lufthansa haben sich bisher nicht auf eine Tariferhöhung einigen können. Rund 100.000 Passagiere in Deutschland sind von dem Streik betroffen. © Foto: Matthias Balk/dpa

Tausende Passagiere müssen sich bis einschließlich Freitag auf starke Behinderungen im Flugverkehr einstellen. Die Lufthansa scheiterte mit dem Versuch, den Streik der Pilotengewerkschaft Cockpit (VC) per Eilantrag gerichtlich verbieten zu lassen. Cockpit kündigte nach dem Urteil an, den zunächst nur für Mittwoch angesetzten Streik bis Freitag verlängern.

Von dem Streik sollten alleine am Mittwoch 100.000 Passagiere betroffen sein, Lufthansa strich für den Tag 876 geplante Flüge. Am Donnerstag sollen 912 Flüge ausfallen, 115.000 Passagiere sind betroffen. Am Freitag sind alle Kurzstrecken-Piloten aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.

Die Verlängerung des Streiks nahm der Konzern "mit vollkommenem Unverständnis zur Kenntnis", wie es in einer Erklärung hieß. "Die Verlängerung des Streiks ist eine weitere Eskalation durch die VC, die zu noch mehr Verunsicherung bei unseren Kunden führt." Nach einer Niederlage in unterer Instanz hatte die Lufthansa das Hessische Landesarbeitsgericht eingeschaltet, um den Streik doch noch in letzter Minute verbieten zu lassen. Die Landesrichter sahen aber keinen Grund für ein Verbot; gegen ihr Urteil war keine Berufung im Eilverfahren möglich.

Die Pilotengewerkschaft Cockpit wies der Lufthansa die Schuld an dem verlängerten Streik zu. "Auch während der heutigen Gerichtsverfahren sahen sich die Vertreter der Arbeitgeberseite nicht in der Lage, verbesserte Angebote vorzulegen", kritisierte VC-Vorstandsmitglied Jörg Handwerg.

Lufthansa nimmt ruhende Schadenersatzklage wieder auf

Lufthansa setzt die Vereinigung Cockpit nun finanziell unter Druck. Eine zwischenzeitlich ruhende Schadenersatzklage über 60 Millionen Euro werde wieder weiter verfolgt, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Forderung bezieht sich auf die erste Streikrunde im aktuellen Tarifkonflikt aus dem April 2014, die vom Unternehmen als nicht rechtmäßig eingeschätzt wird. Lufthansa hatte die Klage ruhen lassen, um die laufenden Gespräche nicht zu belasten. Das hat sich mit der mittlerweile 14. Streikrunde erledigt. Eine erfolgreiche Forderung in dieser Höhe würde die Gewerkschaft überschulden.

Lufthansa-Konzernsprecher Martin Leutke sagte dem ZDF-Morgenmagazin, sein Unternehmen habe Angebote gemacht, der Gewerkschaft sei aber offenbar mehr an einer Eskalation als an einer zielorientierten Lösung des Konflikts gelegen. Jeder Streiktag sei ein "trauriger Tag für die Lufthansa". Leutke forderte eine Schlichtung, weil die Unterschiede zwischen den Forderungen und Angeboten beider Seiten so groß seien.

Das Unternehmen kündigte an, einen Sonderflugplan zu erstellen und auf der Lufthansa-Homepage zu veröffentlichen. Betroffene würden so weit wie möglich auf andere Airlines oder andere Verkehrsmittel wie die Bahn umgebucht, teilte Lufthansa mit. Planmäßig durchgeführt würden hingegen die Flüge der Töchter Germanwings, Eurowings, Air Dolomiti, Austrian Airlines, Swiss und Brussels Airlines.

Dobrindt wirbt für Schlichtung

Es handelt sich um den bereits 14. Streik in der laufenden Tarifauseinandersetzung. Dieses Mal geht es ausschließlich um die Tarifgehälter der Piloten der Lufthansa, der LufthansaCargo und der Tochtergesellschaft Germanwings. Die Vereinigung Cockpit fordert rückwirkend ab 2012 eine Lohnerhöhung von 3,7 Prozent im Jahr. Die Lufthansa bietet 2,5 Prozent über eine Laufzeit von gut sechs Jahren.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt warb unterdessen für eine Schlichtung in den festgefahrenen Verhandlungen. "Ich halte das für den richtigen Weg", sagte der CSU-Politiker in Berlin. Er habe wahrgenommen, dass der Konzern eine Schlichtung vorgeschlagen habe. Man könne zu Recht die Frage stellen, wie oft die Partnerseite diesen Wunsch verweigern könne. Es sei Aufgabe der Tarifparteien, sich darüber zu unterhalten.