Anfang 2017 beginnt der Prozess gegen drei frühere Manager der Unister-Holding. Dies berichtet der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung (SZ) und beruft sich dabei auf Kreise von Verfahrensbeteiligten. Demnach hat das Leipziger Landgericht eine entsprechende Anklage zugelassen und bereits Verhandlungstermine für mehrere Monate angesetzt. Die Beschuldigten sollen wegen Steuerhinterziehung, unerlaubtem Verkauf von Versicherungen sowie banden- und gewerbsmäßigem Computerbetrug belangt werden. Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft Dresden auch gegen Thomas Wagner, den langjährigen Chef von Unister, ermittelt. Mitte Juli war dieser aber zusammen mit einem Mitgesellschafter des Internetkonzerns bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien tödlich verunglückt. Wenige Tage danach meldeten Unister und kurz darauf auch Tochtergesellschaften des Unternehmens Insolvenz an.

Den Recherchen zufolge soll nun im Prozess geprüft werden, ob Teile der Führungsebene um Wagner mehrere Male Gesetze gebrochen haben, um Profit zu erzielen. Nach Ansicht der Ermittler hätten sie zum Beispiel ein Reiseversicherungsprodukt nicht ordnungsgemäß versteuert. Zudem habe das Unternehmen bei Ticketverkäufen getrickst. Unister habe als Reisevermittler nach Verkauf eines Tickets Marktschwankungen ausgenutzt, um den Einkaufspreis zu drücken – ohne die Differenz an den Verbraucher weiterzugeben. Etwa 90.000 Kunden und diverse Airlines sollen auf diese Weise geschädigt worden sein.

Unister hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen und erklärt, bei den beanstandeten Geschäften gehe es um eine gängige Praxis in der Reisebranche. Auch Konzerngründer Wagner hatte zu Lebzeiten betont, er sei unschuldig und werde vor Gericht für einen Freispruch kämpfen.

Das Leipziger Start-up Unister wurde 2002 gegründet. Binnen weniger Jahre wuchs es zu einem der wichtigsten deutschen Onlinekonzerne heran. Über Portale wie Ab-in-den-Urlaub.de oder Fluege.de vermittelte es in Spitzenzeiten Pauschalreisen, Mietwagen und Flüge im jährlichen Gesamtwert von bis zu zwei Milliarden Euro.