Edeka und Rewe haben ihren Zwist um die Aufteilung der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann überwunden und ihre Verhandlungen über einen Kaufvertrag beendet. Wie beide Handelsunternehmen mitteilten, sollen die unterschriftsreifen Dokumente noch an diesem Freitag dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundeskartellamt zukommen. Beide müssen dem Vertrag noch zustimmen.

Kernpunkt ist die Weitergabe von 60 Kaiser's-Filialen in Berlin von Edeka an Rewe. So wurde in einem komplexen Verfahren vereinbart, dass Kaiser's Tengelmann zunächst als Ganzes an den Branchenprimus Edeka fällt, dieser dann aber eine Reihe von Filialen – vor allem in Berlin – an Rewe weiterreicht. Der Kölner Konzern wiederum soll dann im Gegenzug eine Beschwerde gegen die Ministererlaubnis vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf zurückziehen. Damit ist der Weg zur Sicherung der Arbeitsplätze frei.

"Wir gehen davon aus, dass der gesamte Prozess jetzt sehr bald zu einem guten Ende für die Beschäftigten kommt", hieß es denn auch seitens der Gewerkschaft ver.di. Die Arbeitnehmervertreter hatten zuvor das Vertragswerk gebilligt. "Alle benötigten Tarifverträge sind fertig verhandelt, und die Tarifkommissionen haben ihnen zugestimmt", bestätigte ver.di.

Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann schreibt seit 17 Jahren Verluste und wurde bereits vor mehr als zwei Jahren dem Konkurrenten Edeka zum Kauf angeboten. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub hatte die Transaktion mit den Edeka-Verantwortlichen schon längst besiegelt, Rewe hatte das Nachsehen. Dann allerdings legte das Bundeskartellamt sein Veto gegen die Pläne ein, das wiederum von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit seiner Sondererlaubnis überstimmt wurde. Das Oberlandesgericht Düsseldorf wiederum stoppte diese Ministererlaubnis nach einer Klage von Rewe sowie der Wettbewerber Markant und Norma.

Schließlich traf Altbundeskanzler Gerhard Schröder auf den Plan, der ein Schlichtungsverfahren leitete, in dessen Rahmen sich Tengelmann, Edeka und Rewe geeinigt haben. Diese Einigung macht die ursprüngliche Klage überflüssig – vorausgesetzt, sowohl Minister Gabriel als auch die Wettbewerbshüter vom Bundeskartellamt stimmen dem Vertrag zu. Insider rechnen damit, dass bereits in der kommenden Woche alle Voraussetzungen für ein endgültiges Ende des Pokers um Kaiser's Tengelmann erfüllt sein könnten. Sigmar Gabriel ließ bereits verlauten: "Ich bin zuversichtlich, dass in der nächsten Woche die Ministererlaubnis vollzogen werden kann."