Die private Rettung ist gescheitert, jetzt müssen die Steuerzahler ran, um das Überleben der drittgrößten Bank Italiens, der Monte dei Paschi di Siena (MPS), sicherzustellen. Am Donnerstag um 14 Uhr lief die Frist für die von der Europäischen Zentralbank (EZB) angeordnete Kapitalerhöhung von fünf Milliarden Euro ab, doch nur gut zwei Milliarden waren zusammengekommen.

Bis zuletzt hatten sich das Bankmanagement und die italienische Politik in Optimismus geübt, bis zuletzt hieß es aus Rom wie aus Siena, wenn nur die Kleinanleger ihre Anleihen in Aktien umtauschten, sei die Rettung praktisch garantiert. Die Kleinanleger spielten mit. Bis Mittwochabend tauschten sie nachrangige Anleihen des MPS im Wert von über zwei Milliarden Euro in Aktien um. Dagegen gelang es nicht, jene Großinvestoren zu finden, die die restlichen drei Milliarden stemmen sollten. Seit August hatte es geheißen, als "Ankerinvestor" stehe der Staatsfonds von Katar bereit, willig, eine Milliarde zu investieren. Doch weder Katar noch andere Investoren gaben bis Donnerstagmittag Laut.

Ohne Regierungsintervention stünde das MPS, die 1472 gegründete "älteste Bank der Welt" – so die Eigenwerbung – damit vor dem Aus. Das Institut hat gut 25.000 Beschäftigte, es betreut fünf Millionen Kunden, seine Kassen aber sind leer. Noch vor wenigen Wochen hatte MPS mitgeteilt, die Liquidität reiche für elf Monate, doch am Mittwoch korrigierte es die Zahl drastisch nach unten; nur noch für vier Monate sei Geld in der Kasse.

Die Bankiers haben sich verzockt

Die Bankenkrise aussitzen: Dies war seit 2008 Italiens Politik. Andere Staaten, vorneweg Deutschland, aber auch Irland oder Großbritannien, gingen massiv mit öffentlichen Geldern in den Finanzsektor hinein, um den Zusammenbruch strategisch wichtiger Banken zu verhindern. Italien dagegen wog sich in Sicherheit, schließlich hatten seine Institute kaum am großen Rad des Derivatehandels mitgedreht.

Nur eine Bank wies schon 2009 eine gefährliche Schieflage auf: MPS. Die Bankiers aus Siena hatten sich allerdings nicht beim Handel mit Subprimes und Derivaten verzockt, sondern beim Aufkauf der norditalienischen Bank Antonveneta, die sie Ende 2007 für neun Milliarden Euro von der spanischen Banco Santander übernommen hatten. Experten hielten schon damals diesen Preis für völlig überhöht, doch die für die Bankenaufsicht zuständige Banca d’Italia – damals unter Leitung Mario Draghis – hatte ihren Segen für das unselige Geschäft erteilt.

Zunächst im Jahr 2009, dann 2012 musste MPS deshalb, als einziges größeres Geldinstitut Italiens, Staatskredite in Höhe von etwa vier Milliarden Euro in Anspruch nehmen. Die Krise war damit jedoch nicht gelöst, sondern bloß vertagt: Italiens Bankensektor ächzt vor allem unter der Jahr für Jahr gestiegenen Last uneinbringlicher Kredite, die sich mittlerweile auf 200 Milliarden Euro belaufen, und allein 27 Milliarden hält MPS. Alle Versuche, mit Kapitalerhöhungen aus der Malaise zu kommen, scheiterten kläglich. Erst 2011, dann 2014, schließlich 2015: Insgesamt besorgte sich MPS mit drei Kapitalerhöhungen in den letzten Jahren rund zehn Milliarden Euro am Markt – zehn verbrannte Milliarden. Heute beträgt die Börsenkapitalisierung der Bank gerade einmal 500 Millionen Euro.