Volkswagen steht kurz vor einer Einigung mit den US-Behörden im Dieselskandal. Wie der Autokonzern mitteilte, befindet er sich in "fortgeschrittenen Gesprächen mit dem amerikanischen Justizministerium und der Zollbehörde". Das Unternehmen bestätigte in der Mitteilung auch Gerüchte, nach denen der Vergleichsentwurf Strafzahlungen von etwa 4,3 Milliarden Dollar vorsieht.

Grundlage dieser Strafzahlungen ist auch ein Schuldanerkenntnis in Bezug auf gewisse US-amerikanische Strafvorschriften. Zudem soll Volkswagen dem Entwurf zufolge die eigenen Kontroll- und Compliancesysteme stärken und eine unabhängige Aufsichtsperson für die nächsten drei Jahre beschäftigen. Mit der Einigung sollen verschiedene strafrechtliche Untersuchungen sowie zivilrechtliche Bußgeldverfahren beigelegt werden, heißt es.

Volkswagen hatte weltweit massenhaft Software in seine Autos eingebaut, die die Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen auf dem Prüfstand herabsenkten. Volkswagen hat bislang 18,2 Milliarden Euro für die Folgen des Abgasskandals zurückgelegt. Der größte Teil davon dürfte allerdings bereits für Entschädigungszahlungen für US-Kunden und Strafen in zivilrechtlichen Auseinandersetzungen reserviert sein.

"Bestehende Rückstellungen übersteigen"

Die Summe werde wohl nicht reichen, teilte VW mit: "Kommt es zu dem Vergleich, werden die Zahlungsverpflichtungen voraussichtlich zu einem die bestehenden Rückstellungen übersteigenden finanziellen Aufwand führen." Wie hoch die Belastung für das Jahresergebnis 2016 konkret seien werde, hänge von einer Reihe weiterer Faktoren ab und lasse sich derzeit noch nicht bestimmen.

Auch der Automobilhersteller Porsche, der mit circa 30 Prozent an Volkswagen beteiligt ist, teilte in einer Ad-hoc Mitteilung mit, die Einigung mit den US-Behörden könnte sich auf das Konzernergebnis auswirken.

Wegen des Abgasskandals, der im September 2015 in den USA aufflog, ist dort auch ein hochrangiger VW-Ingenieur in Haft. Der Manager wurde am Montag des Betrugs angeklagt, weil er die Software, mit der VW Dieselmotoren manipulierte, nicht offengelegt habe. Für Donnerstag ist eine Anhörung angesetzt, solange bleibt der Manager in Haft.

Es handelt sich um den früheren Leiter einer Abteilung, die bei VW in den USA für die Einhaltung der Umweltvorschriften verantwortlich war. Der Manager war nach Justizangaben am Wochenende festgenommen worden, als er nach einem Urlaub in Florida nach Hause reisen wollte. Er soll eine Schlüsselrolle bei der Verschleierung der Abgasmanipulationen gespielt haben.