Das US-Lebensmittelunternehmen Kraft Heinz hat sein Angebot in Höhe von 143 Milliarden Dollar zur Übernahme des niederländisch-britischen Konkurrenten Unilever zurückgezogen. Das teilten die Konzerne in einem gemeinsamen Statement mit. Gründe für den Rückzug nannten sie darin nicht. Insider sagten der Nachrichtenagentur Reuters allerdings, dass Kraft Heinz den Deal als nicht mehr verhandelbar ansehe, weil die Öffentlichkeit zu einem frühen Zeitpunkt von ihm erfahren habe.

Am Freitag war auf dem Aktienmarkt über eine mögliche Übernahme spekuliert worden. Britische Übernahmeregeln verlangen in solch einer Situation, dass die Pläne veröffentlicht werden. Dem kam Kraft Heinz nach. Unilever wies das Angebot umgehend als zu niedrig zurück. Zudem habe Unilever-Chef Paul Polman den Verwaltungsrat und große Investoren vor der Übernahme gewarnt, berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Polman habe von einem "Kostensenkungsethos" der Amerikaner gesprochen, das die Unilever-Marken beschädigen könnte.

Eine Fusion von Kraft Heinz und Unilever wäre eine der größten in der Wirtschaftsgeschichte gewesen. Zu Unilever gehören Marken wie Dove, Axe, Knorr, Langnese, Rama und Lipton-Tee. Kraft Heinz ist am bekanntesten für sein Ketchup-Produkt, besitzt aber auch beispielsweise Philadelphia-Frischkäse oder die Mayonnaise Miracel Whip. Die Übernahme hätte eine Firma mit einem Umsatz von gut 82 Milliarden Dollar erzeugt, die nahe an den Schweizer Weltmarktführer Nestlé mit 89 Milliarden Dollar herangerückt wäre.

An der Börse wurden die Spekulationen über die Fusion gefeiert. Unilever-Aktien legten etwa an der Börse in Amsterdam zeitweise um fast zehn Prozent zu, während die von Kraft Heinz im vorbörslichen US-Handel um knapp fünf Prozent stiegen. Nach dem offiziellen Rückzug darf Kraft nach britischem Recht nun sechs Monate lang keine neuen Gespräche mit Unilever beginnen.

Die US-Lebensmittelbranche befindet sich seit Jahren im Umbruch. Kraft Heinz selbst war 2015 durch eine Fusion des Ketchup-Herstellers Heinz mit dem Philadelphia-Produzenten Kraft entstanden. Organisiert wurde die Übernahme damals von der brasilianischen Private-Equity-Gesellschaft 3G Capital. Aber auch der Investor und Multimilliardär Warren Buffett war mit seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway daran beteiligt.