Der US-Lebensmittelkonzern Kraft Heinz will den Konsumgüterkonzern Unilever übernehmen. Das US-Unternehmen bestätigte, dem britisch-niederländischen Hersteller von Dove-Seife, Axe-Deo, Ben-&-Jerry's-Eis, Lipton-Tee und anderen Produkten eine Fusion angeboten zu haben. Laut einer Mitteilung hat Unilever den Vorschlag aber abgelehnt. Mit 143 Milliarden Dollar habe Kraft den Wert von Unilever deutlich zu niedrig eingeschätzt, heißt es in der Mitteilung. "Unilever hat den Vorschlag zurückgewiesen, da es für die Aktionäre von Unilever keinen finanziellen oder strategischen Mehrwert sieht. Unilever sieht daher keine Grundlage für weitere Gespräche." Laut Kraft Heinz ist noch unklar, ob es ein weiteres Angebot geben wird.

Nach einer Fusion wäre der neue Großkonzern mit einem Umsatz von gut 77 Milliarden Euro die weltweite Nummer zwei, gefolgt von PepsiCo und Archer Daniels. Nur der Schweizer Weltmarktführer Nestlé mit gut 83 Milliarden Euro Umsatz wäre noch stärker. Unilever gilt mit seinen vielen bekannten Marken wie Knorr, Dove oder Axe als breiter aufgestellt. Kraft Heinz ist hingegen vor allem für sein Ketchup und die Frischkäsemarke Philadelphia bekannt.


Unilever hatte zuletzt einen Börsenwert von etwa 131 Milliarden Euro, Kraft Heinz wird hingegen auf rund 99 Milliarden Euro geschätzt. Unilever-Aktien legten an der Börse in Amsterdam zeitweise um fast zehn Prozent zu. Die Aktie von Kraft Heinz legte im vorbörslichen Handel in den USA um knapp fünf Prozent zu.

Experten sehen einen Deal zwischen Kraft Heinz und Unilever problematisch: "Wegen der schieren Größe der Transaktion werden sich auf jeden Fall Kartellbehörden einschalten", sagte Chef-Analyst Michael Hewson vom Wertpapierhändler CMC Markets. Hürden erwartet er auch von Seiten der Regierungen, in deren Ländern die Konzerne große Produktionsstätten betreiben. Vor allem in Großbritannien und den Niederlanden sei mit Widerstand zu rechnen. "Die britischen Behörden haben schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht mit gebrochenen Versprechen nach dem Kraft/Cadbury-Deal und ich gehe nicht davon aus, dass sie sich nochmals täuschen lassen."

Die Lebensmittelbranche steckt mitten im Umbruch

Kraft Heinz wird von der brasilianischen Private-Equity-Gesellschaft 3G Capital kontrolliert. Das Unternehmen war 2015 aus der Fusion des Nahrungsmittelherstellers Kraft und des Ketchup-Anbieters H.J. Heinz entstanden. Den Zusammenschluss dieser beiden Unternehmen hatte damals auch der Investor und Multimilliardär Warren Buffett mit seiner Firma Berkshire Hathaway maßgeblich mitorganisiert. 3G war zuvor bei der Fusion von Burger King und Tim Hortons und beim Bier-Zusammenschluss Anheuser-Busch InBev beteiligt.

Aber auch andere haben sich einen Namen gemacht: Der Investor Nelson Peltz etwa war maßgeblich an der Abspaltung des Oreo- und Milka-Herstellers von Kraft Foods beteiligt. Das Snack- und Süßwarengeschäft sowie das Lebensmittelgeschäft außerhalb Nordamerikas waren zu Mondelēz ausgelagert worden. Auch bei PepsiCo hatte sich Peltz eingekauft. Er scheiterte aber mit dem Versuch, den Getränke- und Snackkonzern aufzuspalten. Im Dezember noch hatte es bereits Gerüchte gegeben, dass Kraft Heinz sich mit dem Oreo- und Milka-Hersteller Mondelēz wiedervereinigen könnte.

Die Fusionen, Spaltungen und Gerüchte zeigen, wie sehr die Lebensmittelbranche besonders in den USA im Umbruch ist. Nestlé als Nummer eins der Branche will dabei aber vorerst nicht mitmachen. Die Zeit für große Übernahmen sei nicht gut, weil viele Firmen aktuell sehr teuer seien, hatte Firmenchef Mark Schneider erst am Donnerstag erklärt.