Die französische Wettbewerbsbehörde DGCCRF wirft dem Autohersteller vor, möglicherweise schon seit mehr als 25 Jahren bei Abgastests zu betrügen. Das geht aus einem Bericht der Behörde hervor, der am Mittwoch bekannt wurde. Er stammt bereits aus dem November, die französische Justiz ermittelt seit Längerem bei Renault. Die Behörde, die dem französischen Wirtschaftsministerium untergeordnet ist, beruft sich auf einen ehemaligen Mitarbeiter des Unternehmens.

Dem Bericht zufolge soll Renault eine Software entwickelt haben, um "die Ergebnisse von Abgastests zu fälschen". Dabei geht es um die Messung der Emissionen, wenn neue Fahrzeugmodelle für den Markt zugelassen werden sollen. Mittels einer Technik hätten die Fahrzeuge erkannt, wann sie einem Abgastest unterzogen würden, und dann den Ausstoß an Schadstoffen gesenkt, so die Behörde – bei Volkswagen flog eine solche Manipulation bei Diesel-Pkw im September 2015 in den USA auf.

In dem Bericht geht es zwar um neuere Renault-Modelle, doch einige der Praktiken seien schon 1990 eingeführt worden, hieß es. In die Affäre verstrickt sei die gesamte Führungsriege bis hoch zu Renault-Chef Carlos Ghosn. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück: "Die Fahrzeuge von Renault sind nicht mit Betrugssoftware für die Abgasreinigung ausgestattet."

Wie die französische Zeitung Libération berichtete, führten die Ermittler große Unterschiede zwischen den Abgaswerten bei Zulassungstests im Labor und unter realen Bedingungen auf der Straße auf. Im Fall des Modells Renault Captur werde die Norm für CO2-Emissionen um 377 Prozent überschritten. "Diese Ergebnisse lassen die Installation einer betrügerischen Einrichtung vermuten, um Stickoxid-Emissionen unter den spezifischen Bedingungen der Zulassungstests zu reduzieren und so die ordnungsgemäßen Grenzwerte einzuhalten", zitierte das Blatt aus dem Bericht der Wettbewerbsbehörde.

Im Zuge des Dieselskandals bei Volkswagen hatte eine Expertenkommission in Frankreich Abgastests an zahlreichen Autos vorgenommen. Bei vielen Fahrzeugen wurde eine deutliche Überschreitung der zulässigen Grenzwerte festgestellt, unter anderem bei Autos von Renault. Unter anderem auf Grundlage des Berichts nahm die französische Justiz Ermittlungen auf: Seit Mitte Januar prüfen Ermittlungsrichter den Verdacht der Täuschung. Der Hersteller hat stets beteuert, sich an französisches und europäisches Recht zu halten. Auch Konkurrent PSA mit den Marken Peugeot und Citroën ist ins Visier der französischen Justiz geraten.