Es wäre das Ende einer Ära bei Volkswagen: Der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch plant den Verkauf seiner Anteile am Automobilkonzern. Wie die Dachgesellschaft von Volkswagen, Porsche SE, mitteilte, führen die Familien Porsche und Piëch Verhandlungen darüber, ob ein "wesentlicher Teil" der von Ferdinand Piëch gehaltenen Stammaktien der Porsche-Holding an weitere Familienmitglieder übertragen werden. Zuvor hatte der Spiegel vorab über die Pläne des 79-Jährigen berichtet.

"Ob es zu den vorgenannten Veränderungen der Aktionärsstruktur der Porsche Automobil Holding SE kommt, ist aktuell nicht abzusehen", teilte die Holding dazu mit. Laut Spiegel besitzt Piëch 14,7 Prozent der Stammaktien an der Porsche SE, einer reinen Beteiligungsgesellschaft, die wiederum 52 Prozent der Stimmrechte am Volkswagen-Konzern hält. Piëchs Anteile seien gut eine Milliarde Euro wert, schreibt das Magazin. 

Die beiden Eignerfamilien haben ein Vorkaufsrecht. Sie hätten ein großes Interesse an der Übernahme, berichtet der Spiegel, denn sie wollten verhindern, dass ein familienfremder Investor einsteigt.

Streit nach Abgasskandal

In der Familie herrscht seit Langem Streit. Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Piëch seinen letzten Posten im Konzern verlieren könnte: Die Familien Porsche und Piëch hatten sich einem Bericht der Bild am Sonntag zufolge darauf geeinigt, Ferdinand Piëch im Zuge einer Umstrukturierung des Kontrollgremiums der Porsche SE zu entmachten und ihm sein Aufsichtsratsmandat zu entziehen.

Piëch war im April 2015, ein knappes halbes Jahr vor Auffliegen des Abgasbetrugs bei VW, als Aufsichtsratsvorsitzender zurückgetreten, nachdem er bereits zuvor auf Distanz zum damaligen Konzernchef Martin Winterkorn gegangen war. Im September 2015 war die Manipulation von Dieselmotoren in den USA bekannt geworden.

Piëchs Rolle in dem Abgasskandal ist bislang ungeklärt. Er selbst gab einem früheren Spiegel-Bericht zufolge gegenüber der Staatsanwaltschaft Braunschweig an, er habe schon Anfang 2015 den damaligen VW-Chef Martin Winterkorn sowie mehrere Aufsichtsräte über die Abgasmanipulationen informiert – darunter den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil und Wolfgang Porsche, seinen Cousin und Aufsichtsratschef der Porsche SE. Weil, Winterkorn und Porsche bestreiten das. Sie wollen vom Betrug erst im September 2015 erfahren haben, als dieser in den USA bekannt wurde.