Der frühere Bild-Herausgeber und Chefredakteur Kai Diekmann wird Berater beim umstrittenen Fahrdienst-Vermittler Uber. Er soll Mitglied im Beratergremium Public policy advisory board werden, bestätigte das Unternehmen. Zuerst hatten der Spiegel und das Online-Magazin t3n über Diekmanns neue Position berichtet. 

Den Berichten zufolge soll Diekmann keine aktive Lobbyarbeit bei Politikern leisten. Er soll als Vermittler arbeiten, der "kulturelle Übersetzungsarbeit" zwischen dem Dienstleister aus dem Silicon Valley und Europa leistet. Das Public policy advisory board trifft sich einmal jährlich in San Francisco. Einem Sprecher des Unternehmens zufolge steht das Gremium Uber als "interner Feedback-Kanal" für politische Fragestellungen zur Verfügung.

In dem öffentlichen Beratergremium sitzen auch Prominente wie der Verkehrsminister unter Barack Obama, Ray LaHood, die ehemalige EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes und die saudi-arabische Unternehmerin und Prinzessin Reema bint Bandar al-Saud.

In Vorträgen hatte Diekmann des Öfteren die Position vertreten, dass er glaube, man solle technischen Fortschritt nicht durch Gesetze verhindern. Im vergangenen Jahr interviewte er den Uber-Gründer Travis Kalanick auf einer Digitalkonferenz in Berlin. Diekmann hatte sich in jüngster Vergangenheit auf Twitter positiv über Uber geäußert. 

Über 30 Jahre war Diekmann für Springer tätig, 1985 begann er seine Ausbildung an der Axel-Springer-Journalistenschule. Seitdem hatte er mit kurzen Unterbrechungen für den Verlag gearbeitet, unter anderem als Korrespondent der Bild und als Chefredakteur der Welt am Sonntag. Zwischendurch hielt er sich länger im Silicon Valley auf. Zu seinem Abschied im Januar 2017 hatte er gesagt, er wolle sich neuen Aufgaben stellen.

Uber zuletzt in der Kritik

Zuletzt war Uber in den Mittelpunkt mehrerer Kontroversen geraten. Die Google-Schwesterfirma Waymo hatte Uber in einer Klage die Kopie von Technologien für selbst fahrende Autos vorgeworfen, die ein ehemaliger führender Mitarbeiter gestohlen haben soll. Im Januar musste Uber 20 Millionen Dollar zahlen, um einen Rechtsstreit beizulegen, nachdem die nationale Handelskommission dem Fahrdienstvermittler vorwarf, Fahrer mit falschen Gehaltsversprechungen getäuscht zu haben.

Uber-CEO Travis Kalanick wurde wegen eines Streits mit einem Fahrer vor laufender Kamera kritisiert. Er gestand daraufhin, an seinen Führungsqualitäten arbeiten zu müssen. Eine ehemalige Software-Entwicklerin beschrieb in einem vielbeachteten Blogeintrag eine Unternehmenskultur, die von Frauen-Diskriminierung geprägt sei.

In Europa ist das Angebot des Taxikonkurrenten, bei dem die Vermittlung direkt zwischen Kunden und Fahrer stattfindet, teilweise oder ganz verboten worden. In Deutschland sind die Dienstleistungen Ubers nicht erlaubt, weil die Fahrer keinen Personenbeförderungsschein besitzen. Das Unternehmen wird regelmäßig von Arbeitsrechtlern und Gewerkschaften kritisiert, weil es Fahrer nicht als Festangestellte, sondern als freie Mitarbeiter anstellt. Dies erlaube Uber, den Mindestlohn zu umgehen und Arbeitnehmerrechte zu untergraben.