Die US-Fluggesellschaft United Airlines hat weitere Konsequenzen aus dem Gewalteinsatz gegen einen ihrer Passagiere angekündigt. Künftig sollten Fluggäste, die eine überbuchte Maschine verlassen, mit bis zu 10.000 Dollar (9.170 Euro) entschädigt werden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Das Personal solle einmal pro Jahr im Umgang mit ausverkauften Flügen trainiert werden. Die Mitarbeiter sollten auch lernen, besser auf Konflikte mit Passagieren zu reagieren, sagte der Vorstandsvorsitzende Oscar Munoz.

United Airlines hat ein PR-Desaster erlebt, weil die Gesellschaft Mitte April einen Flug überbucht hatte und per Zufall vier Passagiere bestimmte, die die Maschine wieder verlassen sollten. Ein 69-Jähriger weigerte sich, woraufhin das Unternehmen die Polizei rief. Diese zerrte den Mann vor laufenden Handykameras so rabiat aus der Maschine, dass er nach Angaben seines Anwalts zwei Zähne verlor, eine Gehirnerschütterung erlitt und sich die Nase brach.

United Airlines hatte zwar bereits versprochen, in solchen Fällen nie mehr die Polizei zu rufen, sah sich jetzt jedoch zu drastischeren Schritten veranlasst. "Die Leute sind bestürzt und ich vermute, dass eine Menge Menschen erwägt, nicht mit uns zu fliegen", sagte Munoz.

Weniger Überbuchungen geplant

Die Maschinen sollen künftig nicht mehr so stark überbucht werden wie früher. Passagieren, die keinen Platz mehr fänden, sollten andere Transportmöglichkeiten angeboten werden, gegebenenfalls auch bei anderen Gesellschaften, hieß es.

Die neue Entschädigungssumme für Personen, die ihren bereits eingenommenen Sitzplatz wieder aufgeben, liegt zwar deutlich über dem bisherigen Betrag von 1.350 Dollar, aber nur knapp über dem Angebot des Konkurrenten Delta Airlines, der in einem solchen Fall 9.950 Dollar zahlt.

Vorstandschef Munoz selbst entgeht wegen der Ereignisse eine geplante Beförderung. Er sollte auch Vorsitzender des Verwaltungsrats werden, hatte aber selbst angeboten, darauf zu verzichten.

Luftverkehr - Proteste gegen United Airlines Am Flughafen von Chicago demonstrieren asiatische und arabische Bürgerrechtsorganisationen gegen die US-Fluggesellschaft. Grund dafür ist der gewaltsame Rauswurf eines Passagiers aus einem überbuchten Flugzeug von United Airlines. © Foto: Louis Nastro/Reuters