Der frühere VW-Firmenpatriarch Ferdinand Piëch hat den größten Anteil seiner Anteile an der Porsche SE (PSE), die eine Mehrheit am VW-Konzern hält, verkauft. Am Montag seien Verträge unterzeichnet worden, mit denen Piëchs Privatstiftungen den wesentlichen Teil ihrer Porsche-Stammaktien an andere Mitglieder der Familien Porsche und Piëch übertragen hätten, teilte das Unternehmen mit.

Die PSE hält gut 52 Prozent am VW-Konzern und kontrolliert ihn deshalb; Piëch gehörten über seine Stiftungen bisher knapp 15 Prozent der Stammaktien der Holding. Dem Unternehmen zufolge bleibt eine der Stiftungen weiter geringfügig an Porsche beteiligt. Piëch hatte sich zum Verkauf entschlossen, nachdem er sich in den vergangenen zwei Jahren immer stärker zurückgezogen hatte.

Überraschend soll er aber vorerst im Aufsichtsrat der Porsche SE bleiben. Der 79-Jährige sitzt schon seit 1981 in dem Kontrollgremium, damals firmierte das Unternehmen noch in der Rechtsform Porsche KG. Auf der Hauptversammlung der Firma Ende Mai in Stuttgart soll er in seinem Amt bestätigt werden.

Die PSE ist seit 2007 eine reine Beteiligungsfirma ohne Autoproduktion. Bei dem einflussreichen Unternehmen haben die Familien Porsche und Piëch das Sagen; dadurch können sie auch Volkswagen steuern. Zum Sport- und Geländewagenbauer Porsche AG hat die Beteiligungsfirma keinen direkten Bezug mehr – er ist eine hundertprozentige VW-Tochter.

Piëch war jahrzehntelang einer der wichtigsten Akteure in der deutschen Autobranche. Er war Vorstandschef von Audi und dann Volkswagen, 2002 rückte er an die Spitze des VW-Aufsichtsrats. Nach einem internen Machtkampf mit dem damaligen Vorstandsboss Martin Winterkorn legte Piëch im April 2015 alle seine VW-Ämter nieder. Nur das Aufsichtsratsmandat bei der PSE blieb ihm.

An der Spitze dieses Kontrollgremiums sitzt Piëchs Cousin Wolfgang Porsche. Aber auch familienintern kam es zu Spannungen. Erst kürzlich sagte Wolfgang Porsche auf dem Genfer Autosalon, Familie könne man sich nicht aussuchen.

Medienberichten zufolge sollen Familienmitglieder geplant haben, Piëchs Aufsichtsratsmandat nicht zu verlängern. Daraufhin bot Piëch seinen Verwandten Mitte März den Großteil seines Aktienpakets zum Kauf an. Die griffen nun zu, billigten zugleich aber einen Verbleib von Piëch im Aufsichtsrat der PSE.