ZEIT ONLINE: Herr Furman, Ben & Jerry's mischt sich als Unternehmen gerne in politische Themen ein. Zum US-Wahlkampf gab es eine eigene Eissorte für den Demokraten Bernie Sanders. Wie hat die denn geschmeckt?

Jeff Furman: Genau genommen war es kein offizielles Projekt des Unternehmens Ben & Jerry's, sondern von Ben Cohen, einem unserer beiden Gründer, der sich das ausgedacht hat und auch selbst dafür bezahlt hat. Das Unternehmen bezieht keine Position zu einzelnen Kandidaten oder Parteien. Dennoch war es eine sehr clevere Aktion. Und ja, es hat gut geschmeckt.

ZEIT ONLINE: Was war das Besondere an dem Bernie-Sanders-Eis?

Furman: Oben in dem von Ben Cohen kreierten Eisbecher war eine dünne Schokoladenschicht, die für das eine Prozent in der Gesellschaft steht, das am meisten von der Wirtschaft profitiert. Man musste also mit dem Löffel diese Schokoladenschicht durchbrechen und sie ordentlich verteilen. Das Eis schmeckte am besten, wenn man die Schokolade im ganzen Becher vermischte, statt sie oben allein stehen zu lassen.

ZEIT ONLINE: Und wie würde eine Eissorte für Donald Trump schmecken?

Furman: Oh, ich persönlich habe noch nicht darüber nachgedacht, eine Eissorte für diesen sogenannten Präsidenten der Vereinigten Staat zu kreieren. Ich selbst kann immer noch nicht glauben, dass wir diesen Menschen gewählt haben. Aber es gibt eine beeindruckende Gegenbewegung aus vielen Teilen der Gesellschaft, um ihm etwas Positives entgegenzusetzen.

ZEIT ONLINE: Wie kommt es eigentlich, dass Ben & Jerry's sich in die gesellschaftliche Debatte einbringt? Normalerweise halten sich Unternehmen da lieber raus.

US-Präsident - Donald Trumps 100-Tage-Bilanz Vor allem Trumps Aussagen zur EU, Pläne für Strafzölle auf Importe sowie Abschottungsbestrebungen hatten in Deutschland und Europa Sorgen ausgelöst. © Foto: Lucy Nicholson/Reuters

Furman: Seit der Gründung des Unternehmens 1978, und ich war damals dabei, wurzelt unser Handeln in den Menschenrechten. Die Welt braucht nicht noch einen weiteren Eiscreme-Hersteller, aber sie braucht Unternehmen, die eine Haltung haben und ihre Stimme einbringen. Andere Unternehmen tun dies auch, aber häufig hinter verschlossenen Türen, sie lobbyieren und versuchen so ihre Agenda durchzudrücken. Doch das sollte öffentlich geschehen.

ZEIT ONLINE: Auf welche Widerstände stoßen Sie, wenn Sie sich gleichzeitig in politische Themen und in der Wirtschaft engagieren?

Furman: Es gibt häufig Konflikte. Vor allem ist es schwierig, innerhalb des Unternehmens eine Entscheidung zu fällen und eine Position einzunehmen. Wir unterstützen zum Beispiel auf der einen Seite kleine landwirtschaftliche Betriebe in der Nähe unseres Unternehmens im US-Bundesstaat Vermont, um nachhaltig zu sein. Auf der anderen Seite verschicken wir unsere Eiscreme über größere Strecken. Man muss also immer abwägen und eine Entscheidung treffen auf Grundlage der eigenen Werte.

ZEIT ONLINE: In Deutschland unterstützen Sie eine Kampagne zur Ehe für alle. Warum?

Furman: Wir haben vor etwa 30 Jahren angefangen, uns für die Rechte von gleichgeschlechtlichen Paaren einzusetzen, noch bevor daraus eine Bewegung für die Ehe für alle wurde. Zu diesem Zeitpunkt konnte die Krankenversicherung für Ehepartner gezahlt werden, aber nicht für eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft. Wir haben auf lokaler Ebene durchgesetzt, dass auch gleichgeschlechtliche Partner von der Krankenversicherung abgedeckt wurden. Daraus hat sich ein Grundwert unseres Unternehmens herausgebildet: Wir stehen für die Anliegen von Menschen, die marginalisiert werden, egal ob es wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer ethnischen Herkunft geschieht.

Bitte wählen Sie eine Option.
Danke, und willkommen bei „Deutschland spricht“
Viele unserer Leser sind in dieser Frage anderer Meinung als Sie. Wir würden Ihnen gerne noch vier weitere Fragen stellen:
Bitte wählen Sie eine Option.
Bitte wählen Sie eine Option.
Bitte wählen Sie eine Option.
Bitte wählen Sie eine Option.
Und jetzt?
Sie haben uns Ihre Antworten auf wichtige gesellschaftliche Fragen genannt. Viele Teilnehmer sind aber bei genau diesen Themen ganz anderer Meinung als Sie. Würden Sie gerne wissen, warum? Dann treffen Sie sich doch einfach!
Lernen Sie am Sonntag, den 18. Juni zwischen 15 und 18 Uhr eine Leserin oder einen Leser von ZEIT ONLINE aus Ihrer Region kennen, der oder die anders denkt als Sie. Machen Sie mit bei „Deutschland spricht!“. Worum geht es? Wir haben nicht zuletzt von den USA gelernt, dass demokratische Gesellschaften sich spalten können. Im schlimmsten Fall verlernen sie, miteinander zu reden. Dann versteht die eine Seite die andere nicht mehr, und beide Seiten tendieren dazu, immer bedingungsloser an Ihren Positionen festzuhalten und immun gegen Argumente zu werden. Wir wollen an einem Tag in diesem Jahr politische Gegner wieder miteinander ins Gespräch bringen. Ein offener Austausch der Argumente in einem echten Zwiegespräch. Von Angesicht zu Angesicht, überall in Deutschland. Wenn Sie dabei sein wollen, können sie sich jetzt anmelden. Wir werden wir für Sie dann in den kommenden Wochen einen Gesprächspartner in Ihrer Region suchen, mit dem Sie sich treffen können.
+ alles anzeigen
Damit wir eine Gesprächspartnerin oder einen Gesprächspartner für Sie finden können, beantworten Sie uns bitte einige Fragen.
Bitte geben Sie Ihren Namen ein.
Bitte wählen Sie eine Option.
Bitte geben Sie eine gültige Postleitzahl ein.
Fast geschafft ...
Ihre Anmeldung für „Deutschland spricht“ ist fast fertig. Damit ihr Gesprächspartner einen ersten Eindruck von Ihnen machen kann, erzählen Sie doch noch ein wenig von sich:
Bitte füllen Sie das Feld aus.
Bitte füllen Sie das Feld aus.
Bitte füllen Sie das Feld aus.
Bitte füllen Sie das Feld aus.
Bitte füllen Sie das Feld aus.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Bitte geben Sie eine gültige Handynummer ein.
Vielen Dank! Wir melden uns, sobald wir einen Gesprächspartner für Sie gefunden haben.

ZEIT ONLINE: Eignet sich Eiscreme als Produkt besonders dafür, die Welt zu verbessern?

Furman: Für uns gilt: Statt 1.000 Leute zu haben, die unser Unternehmen kennen, ist es uns wichtig, dass 100 Menschen es lieben und sich damit verbunden fühlen. Im Marketing würde man sagen, wir gehen nicht in die Breite, sondern in die Tiefe. Zufälligerweise macht Eiscreme die Menschen glücklich. Zum Glück haben wir uns damals für Eis und nicht für Sandwiches mit Käse und Schinken entschieden.