Polizei und Staatsanwaltschaft haben in Berlin die Zentrale des Mautbetreibers Toll Collect durchsucht. Es bestehe der Verdacht des "Betruges gegen mehrere Verantwortliche des Unternehmens", teilte die Staatsanwaltschaft Berlin mit. Es gehe um Hinweise, nach denen bei der seit 2005 im Auftrag des Bundes durchgeführten Mauterhebung für Lastwagen bewusst überhöhte Kalkulationen vorgelegt wurden. "Der mutmaßlich entstandene Schaden wird gegenwärtig noch ermittelt", teilte die Staatsanwaltschaft mit. "Er dürfte mehrere Millionen Euro betragen."

Toll Collect bestätigte die Razzia durch 15 Polizeibeamte und zwei Staatsanwälte. "Wir unterstützen die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen", sagte eine Sprecherin des Unternehmens. "Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu einem laufenden Verfahren nicht weiter äußern." Das 2002 als Gemeinschaftsunternehmen von Deutscher Telekom und Daimler gegründete Unternehmen beschäftigt rund 600 Mitarbeiter.

Die Staatsanwaltschaft wurde aktiv, nachdem ein ehemaliger Mitarbeiter von Toll Collect Strafanzeige erstattet hatte. Dem Spiegel zufolge steht die Razzia in Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren gegen zwei Toll-Collect-Manager und einen ehemaligen Mitarbeiter, denen gemeinschaftlich begangener schwerer Betrug bei der Ausweitung der Lkw-Maut auf 1.100 Kilometer Bundesstraßen vorgeworfen werde. Das Unternehmen und der Bund hatten 2012 vereinbart, die zunächst auf Autobahnen begrenzte Mauterhebung auf ausgewählte Bundesstraßen auszuweiten.

Die Maut bringt jährlich Milliarden Euro ein, im vergangenen Jahr nahm der Staat darüber 4,6 Milliarden Euro ein. Die Betreibervergütung liegt bei rund 500 Millionen Euro.

Der Vertrag mit Toll Collect läuft noch bis August 2018. Die Bundesregierung hat das Lkw-Maut-System für Autobahnen und erstmals auch für Bundesstraßen europaweit neu ausgeschrieben: Damit können sich Unternehmen bewerben, um die Maut auf den Autobahnen sowie den rund 40.000 Kilometer Bundesstraßen zu kontrollieren und zu kassieren. Letztere sollen weitere zwei Milliarden Euro pro Jahr einbringen.

Den Ausschreibungsbedingungen zufolge wird der neue Kontrakt dann zwölf Jahre laufen, also bis Ende August 2030. Zudem gibt es eine einmalige Verlängerungsoption um drei Jahre.