Viele deutsche Unternehmen stellen sich wegen des Brexits auf sinkende Investitionen deutscher Firmen in Großbritannien ein. Das zeigt eine Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte. Aber auch in Deutschland könnte als indirekte Folge weniger investiert werden.

Ein nachlassender beidseitiger Handel sowie Wechselkursschwankungen werden ebenfalls von vielen der befragten Unternehmen als Risiken gesehen. Gut ein Fünftel geht zudem davon aus, dass sich das Verbrauchervertrauen in Deutschland durch den Brexit eintrüben wird.

"Der Brexit wirft Schatten voraus. Fast alle Unternehmen beschäftigen sich inzwischen damit, fast zwei Drittel sogar intensiv", sagte Alexander Börsch, Chefökonom und Leiter Research bei Deloitte. "Das sind deutlich mehr als noch vor Jahresfrist – damals war es gerade mal ein Drittel." Für die Studie wurden im April 2017 insgesamt 250 deutsche Großunternehmen befragt, die Handelsbeziehungen zu Großbritannien haben.

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Neben den Risiken sehen die befragten Firmen aber auch Chancen, so etwa eine potenzielle Stärkung des Finanzstandortes Deutschland. Vor allem Frankfurt als Bankenzentrum und Sitz der Europäischen Zentralbank könnte zum Brexit-Gewinner werden. Auch München als Standort für die Technologiebranche und Berlin als Start-up-Stadt könnten profitieren. 36 Prozent erwarten außerdem, dass sie von der geringeren Konkurrenz auf dem europäischen Markt profitieren werden. 23 Prozent sehen den Bezug von Vorleistungen aus Großbritannien zu günstigen Wechselkursen als Chance.

Die Personenfreizügigkeit, also das Recht von EU-Bürgern in jedem Mitgliedsland zu wohnen und zu arbeiten, sehen viele der Unternehmen als Grundvoraussetzung für eine Teilnahme Großbritanniens am europäischen Binnenmarkt. Knapp die Hälfte der Firmen ist der Befragung zufolge für einen Ausschluss des Vereinigten Königreichs, falls die Grundfreiheiten nicht gewährleistet werden. Zu diesen gehört neben der Personenfreizügigkeit auch der freie Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Kapital. Umgekehrt würden etwa ein Viertel der Unternehmen auch bei eingeschränkten Freiheiten Handel unter Binnenmarktbedingungen betreiben wollen.