Abgasskandal - Staatsanwaltschaft ermittelt gegen VW-Chef Müller Wegen des Verdachts der Marktmanipulation ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Matthias Müller. Als Vorstandsmitglied von Porsche wird ihm vorgeworfen, Anlegern die Folgen des Abgasskandals vorenthalten zu haben. © Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Wegen des Verdachts der Marktmanipulation ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen VW-Chef Matthias Müller. Schon im Februar sei ein entsprechendes Verfahren eingeleitet worden, teilte die Behörde mit. Bei nachgewiesener Marktmanipulation würde ihm eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine hohe Geldstrafe drohen.

Die Vorwürfe beziehen sich auf seine Tätigkeit für die Porsche SE. Müller sitzt seit 2010 im Vorstand der Porsche-Dachgesellschaft, die Hauptaktionärin von Volkswagen ist. Gegen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Müllers Vorgänger Martin Winterkorn hatte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft bereits Untersuchungen wegen möglicher Marktmanipulation eingeleitet. Die Braunschweiger Strafverfolger hatten zuvor auch Ermittlungen gegen den Chef der VW-Marke, Herbert Diess, eingeleitet.

Eine Strafanzeige der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) aus dem Sommer 2016 sei Auslöser für die Ermittlungen. Es bestehe der Anfangsverdacht, die Führungskräfte hätten den Anlegern die finanziellen Konsequenzen der VW-Dieselaffäre für die Porsche SE "bewusst verspätet mitgeteilt", teilte die Behörde mit. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ist in diesem Fall zuständig, weil die Porsche-Holding ihren Sitz in der baden-württembergischen Hauptstadt hat.

Nach Bekanntwerden der Manipulationen an Dieselfahrzeugen im September 2015 war der Börsenkurs der VW-Aktie massiv gesunken. Dem Gesetz nach müssen Nachrichten, die den Wert eines Aktienunternehmens beeinflussen können, umgehend veröffentlicht werden. Der Volkswagen-Konzern hatte mitgeteilt, sich an alle Regeln gehalten zu haben.

Anleger verlangen Schadensersatz

Viele Anleger verlangen Schadensersatz von VW wegen der hohen Wertverluste bei Aktien und Anleihen infolge des Dieselskandals. Sie argumentieren, das Management hätte die Anleger früher über die Probleme informieren müssen. Das Volumen der Anlegerklagen geht bereits in die Milliarden. Ein sogenanntes Kapitalanleger-Musterverfahren am Landgericht Braunschweig soll ähnliche Ansprüche aus gut 1.500 Einzelklagen gebündelt verhandeln. Das Verfahren könnte sich über Jahre hinziehen.

In den USA hatten Behörden 2015 aufgedeckt, dass die Marke Stickoxidwerte von Dieselfahrzeugen manipuliert hatte. Weltweit waren rund 11 Millionen Autos von der Dieselaffäre betroffen. Volkswagen hat knapp die Hälfte der betroffenen Fahrzeuge inzwischen umgerüstet. Viele Autobesitzer wollen jedoch eine Entschädigung. In Deutschland gibt es hierzu Berichten zufolge weit über 1.000 Einzelklagen. Die Manipulationen bedeuten keine Pflicht zur Erstattung des Kaufpreises – an deutschen Gerichten gab es dazu bisher unterschiedliche Urteile.