Seit Bekanntwerden der Abgasmanipulationen bei Volkswagen hat der Konzern weltweit knapp die Hälfte der rund elf Millionen betroffenen Dieselmotoren umgerüstet, teilte Konzernchef Matthias Müller auf der Hauptversammlung in Hannover mit. Das seien insgesamt 4,7 Millionen Fahrzeuge, davon 1,7 Millionen in Deutschland. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte, Volkswagen habe aus der Dieselaffäre gelernt: Aufsichtsrat und Vorstand wollten die Aufklärungsarbeit "entschlossen vorantreiben". 

Der Betrug flog im September 2015 in den USA auf, das Unternehmen gestand die Manipulation daraufhin ein. Der Konzern rechnet damit, dass die Umrüstung der manipulierten Fahrzeuge 22,6 Milliarden Euro kosten wird.

Müller gab sich zuversichtlich, dass das laufende Jahr ein besseres für VW werden würde. In diesem Jahr sollen rund 60 neue Modelle auf den Markt kommen. Auch machte der Konzern im ersten Quartal rund 3,4 Milliarden Euro Gewinn – ein Plus von fast 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 10,3 Prozent auf 56,2 Milliarden Euro.

Laut Müller würden moderne Verbrennungsmotoren auf absehbare Zeit trotz allem unverzichtbar bleiben. "Sie sind sparsam und emissionsarm. Das gilt – allen lauten Diskussionen zum Trotz – auch und gerade für den Euro-6-Diesel." Bis 2025 sollten die Verbrennungsmotoren um 10 bis 15 Prozent effizienter und damit sauberer werden. Bis 2022 investiere Volkswagen zehn Milliarden Euro in diese Technologien.

Ärger gab es auf der Hauptversammlung wegen der Aufarbeitung des Abgasskandals und mangelnder Transparenz: Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte vor Aktionären, die Ergebnisse der externen Untersuchungen durch die von Volkswagen beauftragte US-Kanzlei Jones Day würden nicht veröffentlicht werden. "Um es klar zu sagen: Einen schriftlichen Abschlussbericht von Jones Day gibt es nicht und es wird ihn auch nicht geben", sagte Pötsch. 

Aus rechtlichen Gründen sei Volkswagen daran gehindert, einen solchen Bericht zu veröffentlichen. "Die wesentlichen Erkenntnisse aus Sicht der US-Behörden liegen seit Veröffentlichung des Statement of Facts durch das amerikanische Justizministerium auf dem Tisch", sagte Konzernchef Müller vor den rund 3.000 Aktionären.

Vielen Aktionären geht der Aufklärungswille des Konzerns nicht weit genug. "Dass die Ergebnisse immer noch unter Verschluss sind, lässt vermuten, dass sie VW nicht gefallen", sagte Andreas Thomae von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka Invest. Der Verweis auf das Statement of Facts sei inhaltlich unzureichend und nahezu beleidigend, sagte der Experte für ordnungsgemäße Unternehmensführung, Christian Strenger.