Der angeschlagene japanische Airbag-Hersteller Takata hat in Tokio und in den USA Insolvenz angemeldet. Mehrere Rechtsstreite um fehlerhafte Airbags und die Kosten von Rückrufaktionen hatten das japanische Unternehmen finanziell überwältigt. Angesichts von Verbindlichkeiten von mehr als einer Billion Yen (8,1 Mrd Euro) ist es eine der größten Insolvenzen in Japans Wirtschaftsgeschichte.

Takata werde für umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro an den US-Autoteileproduzenten Key Safety Systems (KSS) verkauft. Neben dem Mutterkonzern in Tokio wird auch die US-Tochter TK Holdings in die Insolvenz geschickt. In Europa ist dagegen nicht geplant, Insolvenzverfahren einzuleiten. Dort agiere Takata eigenständig von anderen Regionen und verfüge weiterhin über eine solide finanzielle Basis.

Die Airbags des japanischen Zulieferers können unter Umständen bei einem Unfall zu stark auslösen und damit Fahrer und Mitfahrer gefährden. Die Mängel werden für mindestens 16 Todesfälle und 180 Verletzte weltweit verantwortlich gemacht. Die defekten Airbags führten zur größten Rückrufaktion in der amerikanischen Geschichte. Im Zuge eines Rechtsstreits einigte sich Takata im Mai mit US-Autobauern auf eine außergerichtliche Entschädigung an Kunden. 

Es sollen keine Stellen gestrichen werden

Allein in den USA mussten 69 Millionen der Airbags zurückgerufen werden, weltweit waren es rund 100 Millionen. Takata hatte Ammoniumnitrat verwendet, um die Airbags bei einem Zusammenstoß auszulösen. Die Chemikalie kann jedoch schlecht werden, wenn es zu heiß oder feucht ist. Bei einer zu starken Reaktion wurden Metallteile der Airbagkonstruktion abgesprengt.

US-Konzern Key teilte mit, dass bei Takata keine Stellen gestrichen oder Produktionsstätten geschlossen würden. Key stellt unter anderem Airbag-Gasgeneratoren und Sitzgurte her. Das Unternehmen gehört dem chinesischen Konzern Ningbo Joyson Electronic Corp.. Die Airbag-Sparte Takatas soll nach dem Übergang an Key weiterhin separat geleitet werden, um neue Airbags für die zurückgerufenen Fahrzeuge zu produzieren.

Es wird erwartet, dass rund eine Milliarde des Verkaufserlöses dafür verwendet wird, um Takatas Rechtsstreitigkeiten in den USA zu lösen. Davon sollen rund 850 Millionen Dollar an Autohersteller gehen, um die Kosten der Rückrufaktionen zu decken. Takata hatte zudem bereits 125 Millionen Dollar in einen Fonds für Angehörige der Airbag-Opfer einbezahlt und musste 25 Millionen Dollar an das US-Justizministerium zahlen.